Sandmann

Sandmann auf Reisen

Sonderausstellung 15. September bis 25. November 2012

 

Sandmann, lieber Sandmann,

es ist noch nicht soweit!

Wir sehen erst den Abendgruß,

ehe jedes Kind ins Bettchen muß,

du hast gewiß noch Zeit.

...

Kinder, liebe Kinder,

es hat mir Spaß gemacht!

Nun schnell ins Bett und schlaft recht schön,

dann will auch ich zur Ruhe gehn,

ich wünsch’ euch Gute Nacht.

 

Wer ist nicht mit diesem Lied und dem Sandmann aufgewachsen?! Das Sehen der Sendung war und ist in vielen deutschsprachigen Haushalten ein Ritual vor dem Zubettgehen.

 

Im November 1959 hat »Unser Sandmännchen« seinen ersten Auftritt auf den Bildschirmen: »Um 18.55 Uhr kommt unser Sandmännchen und wird den kleinen Zuschauern Gute Nacht sagen.« Die Fernsehmacher in Ostdeutschland haben damit einen Wettlauf gewonnen. Nur wenige Wochen zuvor haben sie erfahren, daß der SFB auch ein »Sandmännchen« produzieren will. Seit Oktober 1958 hat man im Deutschen Fernsehfunk der DDR bereits »Abendgrüße« gesendet, allerdings ohne Sandmann. Nun wird in Ostdeutschland mit aufwändiger Tricktechnik die erste Folge gedreht, nachdem Gerhard Behrendt eine Puppe gestaltet und Wolfgang Richter ein Lied komponiert haben. Um sich vom Westen abzugrenzen, nennt man die neue Reihe »Unser Sandmännchen«. Die Puppe begeistert schnell die kleinen Zuschauer!

Von 1959 bis 1990 gibt es zwei verschiedene Sandmännchen in den TV-Sendern des geteilten Deutschlands, die einiges gemeinsam haben: Sowohl in Ost als auch West wird es als kleiner Mann mit weißem Bart dargestellt. Es erscheint in einer Rahmenhandlung vor bzw. nach einem Kurzfilm und streut am Ende jeder Sendung seinen Schlafsand, um den Kindern angenehme Träume zu schenken.

Eine Märchenfigur stand für das Sandmännchen Pate: Literarischer »Vorgänger« des Fernseh-Sandmännchens ist der »Sandmann« aus dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen. Dort heißt der Kobold eigentlich »Ole Lukøje«, was mit »Ole Augenschließer« übersetzt werden kann. Vom Schlafsand ist im dänischen Original keine Rede, sondern von »süßer Milch«, die der emsige Wicht den Kindern in die Augen sprüht. Den »Sand« bringen erst deutsche Übersetzer in das Märchen.

Ende 1991, als der Deutsche Fernsehfunk seine Tätigkeit einstellt, scheint auch das ostdeutsche Sandmännchen kurz vor seiner Entlassung zu stehen. Es ist der massive Widerstand seiner Zuschauer, der die Abwicklung des Traumsandstreuers erfolgreich verhindert. 1992 gründet sich die »Sandmannstudio Trickfilm GmbH«, die anfangs weiter in den historischen Studios in Mahlsdorf produziert, dann nach Adlershof umzieht und nun in Potsdam-Babelsberg auf dem Filmpark-Gelände Trickfilme herstellt.

 

Die große Familienausstellung versammelt etwa 100 Originalpuppen und –fahrzeuge aus den Rahmenhandlungen der Ost-Sandmann-Geschichten.

 

»Sandmann auf Reisen« ist eine Ausstellung des Filmmuseums Potsdam in Kooperation mit rbb Fernsehen.