1000 AUGEN, EIN GESICHT. Die Umschläge der rororo-Taschenbücher von Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr.

SONDERAUSSTELLUNG VOM 22. SEPTEMBER BIS 11. DEZEMBER 2016

 

- Nicht nur das, was zwischen den Buchdeckeln steht, erzählt, sondern auch die Buchumschläge selbst. -

 

Im Juni 1950 läutete der Rowohlt Verlag, mit einer neuen Ausgabe von Hans Falladas «Kleiner Mann - was nun?» ein neues Buchzeitalter ein: Die Ära des Taschenbuchs.

Heinrich Maria Ledig-Rowohlt hatte die Idee günstiger "Paperbacks" aus den USA und revolutionierte mit rororo, der ersten Taschenbuchreihe in Deutschland, den hiesigen Buchmarkt. Nach einem Jahr waren bereits mehr als eine Million rororo-Taschenbücher erschienen. Die im nordfriesischen Ort Leck ansässige Druckerei Christian Jessen Sohn, aus der die Großdruckerei Clausen & Bosse entstand, übernahm den Satz und Druck der ersten Auflagen.

"Die rororo-Taschenbücher bringen ungekürzte Romane bekannter Autoren aus aller Welt" verkündeten die ersten Verlagsprospekten aus dem Jahre 1950. Die neuartigen "Halbleinenflexibel" waren für 1,50 DM in den Buchhandlungen erhältlich. Markantes Erkennungs-zeichen jener 451 Bände, welche bis 1961 gebunden wurden, war der schmale farbige Leinenrücken. Die ersten 30 Bände hatten das Format 17,5 x 11,5 cm. Für die nachfolgenden Ausgaben wählte man das längere Format 19 x 11,5 cm, welches bis heute verwendet wird. Damit sind die rororos etwa einen halben Zentimeter länger als andere Taschenbücher wie etwa von Ullstein, Knaur, Goldmann, Fischer, dtv etc.

Abgesehen vom Format wollte sich Rowohlt auch gestalterisch absetzen. Der Verlag erkannte die werbende Funktion der Umschläge und beauftragte zwischen 1950-1959 die beiden Künstler Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr. für die Entwicklung der Motive. Die Gestaltung der Umschlagseiten oblag in dieser Zeit exklusiv dem Künstlerpaar. Gisela Pferdmenges(1918-1999)und Karl Gröning jr. (1921-2003)schufen durch ihre gestalterischen und typographischen Werke ein Markenzeichen.

Die Erscheinung – nicht allein der Inhalt – eines Buches vermag Neugier zu wecken, ist Attraktion und eigenes künstlerisches Medium. Diesem künstlerischen Wert und Anspruch haben sich die beiden Künstler Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr. verschrieben.

Ihnen gelang es den Taschenbüchern ein individuelles und zugleich zeitgemäßes Aussehen zu verleihen, mit dem sie die Leser in lebensfrohe Literaturwelten locken. Optimismus und Heiterkeit spiegeln sich darin wider. Die bunten Buchumschläge von Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr. strahlen oft eine Mischung aus Fernweh, Exotik, Idylle und Lokalkolorit aus – Ausdruck der Sehnsüchte und Hoffnungen jener Zeit.

Die Betrachtung ihrer Gestaltungsarbeiten, heutzutage begehrte Liebhaber- und Sammlerobjekte, ist auch deshalb so interessant, da sie uns vieles über ihre Entstehungszeit, die  Nachkriegswelt der 1950er Jahre, erzählen. 

 

Die Ausstellung wurde vom Institut für Sozial-wissenschaften und dem Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaften der Universität Hildesheim sorgsam zusammengetragen und konzipiert. Es handelte sich um ein Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Otto Hügel und Jan Schönfelder.

 

 

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