Kongeniale Raumlösung

Die Farce dehnt sich rhizomatisch aus, wird zu einem Netzwerk kleinerer Momente und Szenen, die alle das eine große Thema variieren: Alles lässt sich verkaufen, und doch wird das Geld nie reichen. Das Wuchernde des Stücktextes hat Regisseur Nick Hartnagel und Bühnenbildnerin Tine Becker zu einer fast schon genial zu nennenden Raumlösung inspiriert.

 

Wie in der Wirklichkeit, in der jede Form von Protest vom Markt instrumentalisiert und assimiliert wird, gibt es auch in Nick Hartnagels Kapitalismus-Themenpark kein Entkommen. Die Raumsituation macht die Zuschauerinnen und Zuschauer von vornherein zu Komplizinnen und Komplizen der Figuren. Entweder geht man mit ihnen mit, oder man weicht ihnen aus. Aber in beiden Fällen folgt man übermächtigen Prinzipien und Strategien, die einem von Außen aufgezwängt werden.

 

In der kapitalistischen Welt lässt sich gerade auch aus rassistischen und sexistischen Klischees Kapital schlagen. Also stellen Hartnagel und sein Ensemble sie aggressiv aus und distanzieren sich so von ihnen.

+ 02.06.17 + nachtkritik.de + Sascha Westphal +

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