Doppelte Kraft

Walburg lässt Im Westen nichts Neues in einem schneeweißen stilisierten Kaiserreichssalon spielen. Gegen diese Intaktheit der bürgerlichen Welt werden der Dreck, die Erschöpfung und Aussichtlosigkeit gestellt, anfangs mit kalkulierter Künstlichkeit.
Eine Materialschlacht, die in ihrer zunehmenden Körperlichkeit realistische Züge gewinnt. Man denkt unweigerlich an die von der Artillerie zerschossenen Landschaften bei Verdun, die den Oberflächen fremder Planeten gleichen, aber auch an die vielen Künstler und Maler, die im Krieg ihr Leben verloren oder mit versehrten Körpern zurückkehrten.
Der groß gezogene Rahmen verleiht den Kriegsalltagsszenen doppelte Kraft, die von den Schauspielern zwischendurch mehr erzählt als gespielt werden. Das nackte Überleben ist im Krieg das Naheliegende, das hebt die Inszenierung hervor.

+ 03.11.14 + die tageszeitung + Simone Kämpf +

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