Großes Kopfkino

Wie erzählt man solch einen Entwicklungsroman auf der Bühne? Indem man ganz auf Theater setzt! Regisseurin Barbara Bürk hat zusammen mit Bühnenbildnerin Anke Grot eine Bühne auf die Bühne gestellt. (...) Diese verkehrte Bühnenwelt ist ein wunderbarer Rahmen für das Innensichtstheater, das große Kopfkino des Erzählers Emil Sinclair.

Mathias Spaan zeichnet den Helden des Romans mit vibrierender Kindlichkeit, gelegentlichen Anflügen von Albernheit und vorsichtigen Aufbegehren. Max Demian, sein Freund und Mitschüler, beeindruckt ihn durch Reife und Souveränität. Philippe Goos ist die Idealbesetzung für diesen Demian, er hat all das, was diese Rolle braucht: Er ist geheimnisvoll und jovial, aufrichtig und gefährlich, väterlich und kumpelhaft.

Dem Ensemble gelingt es (mithilfe von Sven Kaiser, der das Geschehen musikalisch begleitet), einen Roman, der durchaus aus der Zeit gefallen ist, ganz federleicht auf die Bühne zu bringen. Selbst der saure Hesse-Kitsch klingt hier nicht nach saurem Hesse-Kitsch, sondern nach dem, was er eigentlich ist: Theater.

+ 10.05.16 + Hannoversche Allgemeine + Ronald Meyer-Arlt +

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