Wunderbar leicht

Regisseurin Barbare Bürk erzählt mithilfe eines genialen Bühnenbilds (Anke Grot) nicht nur eine Geschichte, sondern auch, wie man eine Geschichte erzählt. Was besonders hilfreich ist, wenn diese aus der Zeit gefallen ist wie eben Hesses Demian.

Ganz stark und geradezu idealtypisch ist die Besetzung in Bürks wunderbar leichter Inszenierung für das Junge Schauspiel: Mathias Spaan glänzt als jugendlicher Zweifler. Philippe Goos als schön ambivalentem Demian haftet bei aller sympatischen Ausstrahlung ohnehin etwas Dämonisches an. Carolin Eichhorst ist ihr gleichaltriger Gegenpol. Wolf List in verschiedenen Vaterfiguren kann den larmoyanten Spießer sowieso aus dem Effeff; Bürk holt ihn aber auch aus dieser Komfortzone heraus und lässt ihn den ausfälligen und umfallenden Kneipenphilosophen geben. Toll. Und die mütterliche Beatrice Frey singt in ihrer schönen reifen Stimme mit überzogenem US-Akzent und im Gegenlicht Doris Days Que sera, sera: Was sein wird, wird sein. Das Leben bleibt eine Wundertüte. Und Bürk breitet sie so genüsslich wie virtuos aus.

+ 10.05.16 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

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