Ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus

Daniel Nerlich spielt Hamlet meisterlich als Entwurzelten, der mal in der Liebe zu Ophelia, mal in seinen Betrachtungen über das Sein oder Nichtsein neue Verankerung im Leben sucht. Dabei ist nicht die Sehnsucht nach Rache vorderste Triebkraft im Stück. Immer wieder ergreifen Protagonisten das Mikrofon und singen - herrlich subversiv wie Johanna Bantzer als Hamlets Mutter - Liebessongs. Hamlets irrlichternde Suche nach einer emotionalen Normalität unterstreicht der französische Musiker Gabriel Cazes dabei mal mit hintergründigem Falsettgesang, dann wieder mit kratzenden Gitarrenlauten.

Glücklicherweise ersäuft die bildgewaltige Szenerie nicht den shakespeareschen Text. Denn Thorleifur Örn Arnarsson gelingt es, die Handlung mal näher am Original, mal in freieren Improvisationen zu führen und schafft so eine wunderbare Balance zwischen ernsthaften und unterhaltsamen Passagen.

Dem gesamten Team ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus gelungen, einen klassischen Stoff ganz modern und voller Überraschungen auf die Bühne zu bringen. Herrlich subversiv und unerschrocken lässt sich Hamlet hier neu entdecken.

+ 19.02.17 + NDR Kultur + Agnes Bührig +

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