Klasse Einzelleistungen

Aus treuherzigen blauen Augen blickt Karl Roßmann (Maximilian Grünewald) in die Kamera: »Stück für Stück werde ich mich hocharbeiten«, schwärmt dieser amerikanische Träumer, der längst unten angekommen ist, und schrubbt – Stück für Stück – den monströsen Körper der Sängerin Brunelda (Christoph Müller im Fatsuit). Eine starke Szene aus der Inszenierung von Kafkas Amerika am Schauspielhaus. (...)


Die wie selbstgezimmert wirkenden Kulissen (Andreas Auerbach) und die burlesken Kostüme (Patricia Talacko) verströmen trashigen Charme. Die Musik (Smoking Joe) mit ihren fiesen Softporno-Orgeln ist – vor allem, wenn sich Disneys Erkennungsmelodie in die National Anthem schmuggelt – angemessen geschmacklos.


Es gibt gruselige Gerichtsszenen, in denen auch Richter und Ankläger zu ferngesteuerten Horror-Puppen in Masken verkommen, ein Ensemble im Overdrive und klasse Einzelleistungen: Grünewald zum Beispiel als blasser anständiger Jüngling, den jede Grobheit aus der Bahn wirft. Oder Günther Harder, der als irischer Saufbold Robinson den Wutbürger gibt (»der Scheißdeutsche«). Oder Rainer Frank als öliger Wohlstandsbürger und Prinzipienreiter.

+ 21.01.17 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

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