Lustvolles Revolutionstheater

Alexander Eisenach, zur kommenden Saison neuer Hausregisseur am Schauspiel, hat ein Füllhorn von Inszenierungsstilen über das Stück ausgeschüttet. Für Auflockerung ist gesorgt - lustvoll beweist etwa Beatrice Frey, wie wunderbar umständlich man einen Stadtplan erklären kann. Hinter einem Vorhang folgt ein beeindruckendes Schattenspiel, bei dem immer die gerade dominierende Figur an Größe zulegt.


Die dialoglastigen Episoden werden zunehmend gekontert. Da geht’s mit heftigen Körperverrenkungen und vernuschelten Legenden in Gefilde, an denen auch Regiekollege Andreas Kriegenburg seine Freude haben könnte. Henning Hartmann als eingekerkerter Iwan - das Attentat ist schließlich doch geglückt - wundert sich über das Notausgangsschild in seiner Zelle, berichtet von seiner Schauspiel-Vergangenheit am Bolschoi mit coolen Rollen von Peer Gynt bis Nils Holgersson und spinnt auch ansonsten weidlich herum; all das wohlgemerkt, während er gekonnt auf dem Klavier improvisiert, aber ausgerechnet an dem nun wirklich nicht sehr schwierigen Einstieg in Für Elise scheitert. Großartig.


Jonas Steglich ist als Stepan und Skuratow das Kraftzentrum der Inszenierung, Beatrice Freys zweite Rolle ist die entrückte Großfürstin, die Iwan dem göttlichen Himmelreich näher bringen will, Wolf List gibt sehr präsent Boris und Mithäftling Foka. Lisa Natalie Arnold als Dora hat vor allem im Schlussmonolog große Momente, wenn das Bombenbauen auf einmal gar keine Rolle mehr zu spielen scheint.

+ 25.02.17 + Neue Presse + Jörg Worat +

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