Ein Vergnügen

Regisseur Paul Schwesig wirft im Cumberlandschen Treppenhaus mit Maskenspiel und bedrohlichen Licht- und Toneffekten Schlaglichter auf drei Beziehungsunfähige. Sie sind immer online, aber von Mitmenschen nicht mehr zu erreichen. Mit einfachen Mitteln, mit Papierrollen und Seilen, entsteht eine Gebirgskulisse, Sinnbild des Karrieregipfels, den diese drei Entfremdeten erklimmen wollen. Es ist zugleich ein Netz, in dem sie sich selbst verfangen. Das schwindende Tageslicht, das durch die Fenster des Treppenhauses scheint, verstärkt die sich verdüsternde Stimmung noch.

Am stärksten ist diese Inszenierung jedoch immer dann, wenn sie bei den Schauspielern bleibt: Silvester von Hösslin als ölig-aggressiver Öllers, Dennis Pörtner als überjovialer Niederländer und Isabel Tetzner als Karrierezicke, die sich tatsächlich einredet, in diesem Beruf die Welt zum Besseren verändern zu können, lassen doch immer wieder Menschlichkeit hinter den zynischen Fassaden hervorschimmern. Es ist ein Vergnügen, ihnen zuzuschauen.

+ 24.04.17 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

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