Ideale Umsetzung

Macht und Widerstand ist ein nüchterner, dokumentarisch wirkender Roman. Parizeks Theaterfassung ist eine ideale Umsetzung, weil sie dem Geist und Buchstaben des Buchs folgt und das Werk zugleich entschieden aufs Theater bringt.

 

Das Zusammenspiel der vier einschließlich Rollenwechseln und Spiel mit Tuba und Trompete ist überzeugend und schlüssig. Die Ernsthaftigkeit, mit der in der Inszenierung Spiel und Geschichtsaufarbeitung verbunden werden, ist außergewöhnlich und frei von jeder Verkrampftheit.

 

Dieses Historienspiel aus einem fernen, kleinen Land kümmert sich scheinbar gar nicht um Brüche und Wunden im Deutschland des Jahres 2016 oder um Mord und Krieg im sehr nahen Osten Aleppos. Die exakte Beschreibung dieses doppelten Falles zeigt aber: Demokratieverachtung ist keine Erfindung der neuen Rechten. Vor allem aber zeigt die Inszenierung, dass Wert und Umgang mit Fakten in der Politik – die das Leben aller prägt und das Leben vieler unmittelbar bestimmen bzw. zerstören kann – ein zentrales Thema in einer offenen und womöglich gar gerechten Gesellschaft sein muss. Diese Geschichte-n-Stunde in Hannover bietet damit unglaublich aktuelles politisches Theater. Sie projiziert vergangene Geschichten auf uns, zeigt, wie präsent Vergangenes oder vermeintlich Fernes uns erhellen kann, so wie auch diese seltsamen Projektoren auf der Bühne.

+ 19.12.16 + Die Deutsche Bühne + Detlev Baur +

zurück zu »Macht und Widerstand«