Boulevard par excellence

Autor Lutz Hübner seziert urkomisch eine Schicht der positiv Bemühten. Kein Macher darunter. Eine Baugemeinschaft wird zum Brennglas einer Gesellschaft auf Sinnsuche. Dieser intellektuelle Boulevard par excellence hat das Zeug zum Publikumsliebling dieser Spielzeit.

Was für eine Ensembleleistung! Fast unmöglich, hier jemanden besonders herauszustellen. Als Beispiele seien hier genannt: Beatrice Frey als Ex-Szenewirtin, die – schutzlos in Ritterrüstung und Doc Martens – vor der Müllhalde ihres alternativen Lebensentwurfs steht. Christoph Müller als kreuzbraver Beamter, der seinen affektierten Wahlverwandten Herbert Grönemeyer als Hochkultur andient. Rainer Frank als schwuler Patriarch mit autoritären Zügen und – eine Entdeckung – als kokette Kindfrau Wassilissa List, die schon 2015 beim Jugendtheaterstück Busfahrt mit Kuhn gehörig den Ballhof rockte. Regisseurin Mina Salehpour spendiert ihr eine famose Miley-Cyrus-Szene samt »Wrecking Ball«, wie sie überhaupt diesen Stoff, den man auch bequem als klappernden Tür-auf-Tür-zu-Boulevard inszenieren könnte, in famose Bilder kleidet.

+ 24.10.16 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

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