Eine hollywood-reife Hero's Journey

Silvester von Hösslin schultert dieses bedrohliche Szenario als Solo, nur begleitet von dem Theatermusiker Lars Wittershagen, der als Klangtechniker auf der Bühne für die hörspielartige Einbettung der Erzählung sorgt. Virtuos mit wenigen Requisiten und gestalteten Nischen (Ausstattung: Tine Becker) umgehend, fesselt Hösslin 100 Minuten lang das Publikum im Stile eines orientalischen Geschichtenerzählers, der mit wenigen Gesten und Verwandlungen einen ganzen Kosmos erschaffen kann.


Durch die schmächtige und eher verletzliche Erscheinung Hösslins gewinnen die mutigen Heldentaten, die der Josef Schwarz des Romans unternimmt, um sich und seine geliebte Helen aus Internierungslagern, Gestapogefängnissen und dem Zugriff von Offizieren und Beamten der verfeindeten Nationen zu befreien, eine besonders eindringliche Statur. Denn die Verwandlung eines geradezu schüchtern und schwach wirkenden Mannes in einen Helden, der schließlich sogar dem SS-Schwager mit einer Rasierklinge den Hals aufschneidet, ist eine hollywood-reife Hero's Journey, die Mut zum Widerstand und Glauben an das Aufrechte im Menschen wecken soll und kann.

+ 07.02.17 + Süddeutsche Zeitung + Till Briegleb +

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