Fulminant

Hool ist ein Buch wie ein präzise gesetzter Kinnhaken. Offenbar war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Theater den griffigen Stoff entdecken. Dass der Intendant des Schauspiel Hannover Lars-Ole Walburg die Uraufführung in einer eigenen Spielfassung bei den Ruhrfestspielen zeigt, ist vielleicht kein Zufall, denn »Hool« Heiko ist Fan von Hannover 96. Die Vereine sind selbstverständlich austauschbar, die merkwürdige Parallelwelt aber, in die Winkler und Walburg führen, ist es nicht.

 

Regisseur Walburg ist klug genug, all die abstruse Gewalt, die im Roman in teils drastischen Worten verhandelt wird, nicht auf der Bühne nachspielen zu lassen. Vielmehr wählt er einen interessanten Zugriff: Fünf Schauspieler teilen sich sämtliche Rollen in oftmals fliegendem Wechsel.

 

Robert Schweer hat dafür ein fulminantes Bühnenbild erfunden. Dort steht ein riesiger weißer Kasten, der drehbar ist und laufend rotiert. In jedem Winkel dieses Kastens finden die Schauspieler immer neue Spielflächen: mal oben drauf, mal hinter Plexiglas, mal am Gerüst baumelnd. In einer Art Umkleidekabine im hinteren Teil haben die Kostümassistenten alle Hände voll zu tun, die Darsteller in ihre vielen kleinen Rollen schlüpfen zu lassen. Dass dem Zuschauer keine der Figuren näher ans Herz wächst, weil sie ständig von anderen verkörpert werden, ist das volle Kalkül dieser so gewagten wie gekonnten Adaption.

 

Es ist also mehr eine geschlossene Ensembleleistung, die den rund zweistündigen Abend trägt: Nicola Fritzen, Philippe Goos, Carolin Haupt, Daniel Nerlich und Sebastian Weiss machen mächtig Dampf, wobei insbesondere Philippe Goos die tragischen Momente, die in Heikos prolligem Gehabe schlummern, fein herauskitzelt. Gut vorstellbar, dass Hool als Stück der Stunde ein kleiner Siegeszug auf deutschen Bühnen bevor steht.

+ 26.05.17 + Westdeutsche Allgemeine Zeitung + Sven Westernströer +

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