Ein intellektueller und sinnlicher Genuss

Kühnel klopft den antiken Stoff aufs Allgemeingültige ab. Er erzählt, wie Jason (großartig: Philippe Goos) als echt cooler Checker um die Schöne wirbt und als Würstchen endet. Er erzählt, wie Medea, mehr bequatscht als bekehrt, diesem Jüngling erliegt und am Ende, als sie allen Seins beraubt ist, doch ihre Würde bewahrt. Und die schließlich die ungeheure Tat des Kindsmords verübt, nicht als eifersüchtiges Monstrum, sondern um den mörderischen Kreislauf von Rache und Krieg zu durchbrechen. Und nicht zuletzt erzählt diese Inszenierung davon, dass es nur tödlich enden kann, wenn man dem Fremden in Feindschaft begegnet.
Mit Sinn und Verstand, mit Witz und niederschmetternder Tragik geschieht das, voller Anspielungen. Diese Medea ist nicht nur ein intellektueller Genuss, sondern vor allem auch ein sinnlicher. Nicht zuletzt wegen eines grandios aufgelegten Ensembles: Rainer Frank zum Beispiel als im Ritual erstarrter König von Kolchis. Mathias Max Herrmann als sein spießbürgerlicher griechischer Kollege. Oder Dennis Pörtner als spitzbübischer Komplize des Publikums. Die drei Medeen, Loibl, Haupt und Gaudard, sind sowieso brillant.

+ 02.09.17 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

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