Publikumsstimmen

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Publikumsstimmen

Perplex

Mir hat die Inzenierung sehr gut gefallen. Zu Anfang waren die teilweise sehr abrupten Szenenwechsel etwas verwirrend, aber sobald man sich dran gewöhnt hat, hat es sehr viel Spaß gemacht zuzugucken. Es gab viele Stellen zum Lachen und die Schauspieler haben eine großartige Leistung hingelegt. Besonders das überraschende Ende hat mir sehr gut gefallen.
Auf jeden Fall empfehlenswert!

Jemima Rosinski 10.02.2017, 17:30

Die Nacht von Lissabon

Großartig, wir haetten beinahe mitgeweint!

Kristina Geyer 04.02.2017, 22:52

Heidi

Die Vorstellung "Heidi" ist sehr amüsant und passend für Grundschüler geeignet. Die Kinder haben viel gelacht und aufmerksam zugesehen. Es gab immer wieder Dinge, die die Schüler überrascht haben (zum Beispiel echtes Feuer auf der Bühne).Außerdem wurde mit dem Publikum interagiert, was für die Kinder sehr anregend war. Es wurde nicht zu langweilig, daher würde ich es anderen Grundschulklassen weiterempfehlen. Es motiviert die Kinder dazu, das Theater noch ein weiteres Mal zu besuchen.

Lisa-Marie Scholz 23.01.2017, 14:58

Heidi

Ich war heute in der Vorstellung von Heidi, ich fand es wundertoll. Besonders Clara und Heidi die waren ganz toll. Ich gehe in die 2. Klasse.

Ina Quruvski 23.01.2017, 14:49

Im Westen nichts Neues

Ich möchte es nicht versäumen Ihnen zu sagen wie hervorragend diesese Geschichte auf der Bühne umgesetzt wurde. Es war sehr bewegend und unterhaltsam, tolle Schauspieler und eine sehr gute Umsetzung des Romans durch den Regisseur. 
Nochmals danke für den interessanten Abend. 
  

Olaf Müller 21.01.2017, 18:45

Tandem Café

Das Tandem Café bietet eine wundervolle Möglichkeit mit neuen Leuten in Kontakt zu treten und zu helfen.

Anna Hüner 19.01.2017, 16:44

Madame Bovary - Allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

Das Stück ist klasse und beindruckt groß und klein mit Gesang und Bühnentechnik.
Das Stück ist sehr zu empfehlen für Schulklassen, da es Unterrichtsstoff ist und so dargestellt ist das es verständlich ist.

Tuuli Friege 19.01.2017, 16:37

Shockheaded Peter

Das Stück ist sehr eindrucksvoll durch die Kulisse und die Hintergrundgeschichte. Zudem sind die Darsteller sehr aufmerksamkeitserregend, da sie sich immer wieder verändern. Dies sorgt für eine aufregende Atmosphäre. Die Collage erhält durch die Geschichte des Struwwelpeters eine leitende Form. Die gute Bühnentechnik, das Licht, die Farben und die Musik erweckt das Stück zum Leben. Alles in einem kann man sagen, dass das Stück für alle Altersklassen sehr empfehlenswert ist.

Viviane Winkler 13.01.2017, 15:51

Der gute Mensch von Sezuan

Das Theaterstück ist besonders, weil die Protagonisten von Puppen dargestellt werden. Außerdem es Stück sehr geeignet für Schulklassen, da es zeitlich gut in eine Unterrichtsstunde passt und da Thema zeitlos ist. Es hat eine erkennbare Wirkung auf die Zuschauer, sodass sie auch nach der Vorstellung noch darüber nachdenken.

Tuuli Friege 13.01.2017, 15:36

Und auch so bitterkalt

Der Ballhof Zwei in Hannover zeigt derzeit eine Inszenierung von Lara Schützsacks »Und auch so bitterkalt« unter der Regie der Jungregisseurin Paulina Neukampf, welche ihr Studium der Regie in Hamburg erst vergangenes Jahr abgeschlossen hat.
Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, Malina und Lucinda. Malina bewundert ihre große Schwester über alles, und die zwei scheinen unzertrennlich. Gemeinsam leben sie in ihren erdachten Fantasiewelten, sind immer auf der Suche nach dem Abenteuer, dem Neuen, dem Aufregenden. Der größte »Feind« ist die Angst, ohne sie fühlen sich beide unbesiegbar. Lucinda ist die Strahlende, eine von denen, nach denen man sich auf der Straße umdreht, eine von denen, die jeden fasziniert. Eigentlich ist alles perfekt. Manchmal aber, an den »dunklen Tagen«, ist alles anders. Dann will Lucinda mit niemandem, noch nicht einmal mit Malina sprechen und versteckt sich vor der Welt, im sehnsüchtigen Wunsch, einfach aus ihr verschwinden zu können. Malina hat gelernt, das zu akzeptieren; sie wird Lucinda nie wirklich nahe sein können, das kann keiner. Aber dass sie die engsten Vertrauten sind, daran gibt es keinen Zweifel- zumindest, bis Jarvis auf einmal vor ihrem Haus steht. Jarvis, der neue Nachbar. Jarvis, der einzige, der mehr als eine Nacht mit Lucinda im Keller verbringt, jenem Ort den Malina nicht versteht. Die dunklen Tage häufen sich, und mit ihnen die Sorge der Eltern um Lucinda. Sie »erträgt es nicht, am Tisch zu sitzen«, sie erträgt es nicht zu essen. Abhilfe soll hierbei Dr. Zimmermann schaffen. Therapie, das ist nichts für Lucinda. Immer sieht Dr. Zimmermann irgendwelche Probleme, die es doch eigentlich nicht gibt und immer wieder soll sie mit ihm über ihre Familie, ihre Vergangenheit und ihre Ängste reden, immer wieder bekommt sie vorgehalten, sie solle doch endlich wieder normal essen.
Malina ist natürlich auf der Seite ihrer unbesiegbaren, so strahlenden und so großartigen Schwester. Sie hilft ihr, Essen zu verstecken und sie lacht mit ihr über die mental so weit entfernten Eltern- ohne Lucinda verstehen zu können. Malina bemüht sich verzweifelt, einen Weg zu mehr Verständnis zu finden und probiert, Lucinda vielleicht durch Jarvis zu verstehen.
Jarvis, der mysteriöse neue Nachbar. Jarvis, der Lucinda über alles liebt. In Lucindas Selbstverständnis passen jedoch keine Gefühle jeglicher Art, sie ist schließlich eine Muse. Jarvis kommt trotzdem immer wieder und wartet, und versinkt weiter in seinem Unglück. So lange, bis es unerträglich wird…
Damit spannt sich auch das Netz um Lucinda enger, sie sagt von sich selbst sie müsse »bald gehen«, versteckt sich vor der Realität, ihrer Familie, dem Essen und sich selbst. Es bleibt eine einsame Malina zurück, die nur einen Wunsch hat: »Ich will, dass Du hier bist.«
Damit gelingt Paulina Neukampf ein tragischer Abschluss dieses aufreibenden und verwirrenden Stückes. Tragisch, weil es so plötzlich kommt und weil es weitaus mehr offen lässt, als dass es auflöst. Der Zuschauer wird hinterlassen mit einem Chaos, mit zahlreichen Fragen und mit dem Wunsch, zu verstehen. Genauso also, wie es Malina durch den Verlust ihrer Schwester ergeht.
Malina, gespielt von Sophie Krauß, ist diejenige die durch das Stück führt und mit der sich der Zuschauer verbunden fühlen soll. Hierbei bedient sie sich vielerlei Mittel, spricht also etwa das Publikum direkt an. Diese Nähe ist ein entscheidender Unterschied im Vergleich zu den anderen Charakteren. Annette Köhne-Fatty alias Mutter Isa sitzt das ganze Stück über an einem Schreibtisch am Bühnenrand und probiert über die Distanz hinweg (meistens vergeblich) mit ihren Töchtern zu kommunizieren. Das Bühnenbild beinhaltet eine Art weißen Ballon an der Bühnendecke, auf welchen Isas Gesicht projiziert wird. Eine gelungene Metapher für die Entfernung der Mutter zu den scheinbar der Welt entrückten Schwestern und dem aussichtslosen Versuch der Kontrolle und Überwachung von Lucindas Essverhalten. Durch den feinfühligen Einsatz ihrer Mimik wird trotz geringer Sprechanteile die Lage Isas deutlich und gleichzeitig lässt diese Art der Inszenierung genug Raum, um die Schwesternbeziehung in den Vordergrund zu stellen. Lucinda, gespielt von Laura Schuller, ist die eigentliche Hauptperson, auch wenn sie nicht die erzählende Rolle innehat. Dadurch wird die Distanz zu ihr gewahrt, welche sich Lucinda auch wünscht- sie will zwar »spüren, zu leben«, aber lässt keinen nahe genug an sich heran und lässt keine Gefühle zu, welche das womöglich herbeiführen könnten. Schuller probiert teilweise vergebens, diesen Gegensatz authentisch zu vermitteln. Das gesamte Stück lebt zwar von Hyperbeln und skurrilen Darstellungen, das geschieht jedoch auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Charaktere und dem Empathievermögen mit diesen.
Falls das Ziel des Stückes also sein soll, ein »Selbstfindungsstück« zu sein, »Welt zu gestalten, zu kommentieren[,] Antwort zu sein«, so kann ich dem nicht in vollem Umfang zustimmen. Vielleicht liegt das »Problem« an dieser Stelle an der Inszenierung des Romans »Und auch so bitterkalt«, schließlich ist es dieser, welchen Christine Knödler in ihrer Rede beim Verleih des Ulla-Hahn Autorenpreises mit den oben zitierten Worten lobt.
Der einzige der von C. Knödler genannten Aspekte, welcher sich auch klar in der Inszenierung Paulina Neukampfs ausmachen lässt ist, dass das Stück es vermag, »Welt zu gestalten«. Schon allein das Bühnenbild schafft dies: Eine Art Zelt aus Netz mit durcheinander herumliegenden Kissen, Decken und sonstigen Gegenständen, mehrere Kabel, Mikrofone und Synthesizer, welche im Verlauf des Stückes mehrfach verwendet werden und hinten, einsam und zusammenhangslos der Schreibtisch Isas. Die aufwendige Netzinstallation füllt optisch den Bühnenraum und bildet inhaltlich gesehen Lucindas Rückzugsort, sehr passend ist es, dass sich das Zelt am Ende zu einem Gefängnis entwickelt, aus welchem Lucinda nicht mehr ausbrechen kann und welches sie vom Rest der Welt endgültig abschirmt. Die sonstigen Requisiten finden zweckentfremdete Verwendungen und dienen als verwandelnde Objekte, mit Hilfe welcher Sophie Krauß mal als Malina, mal als Kater Jupiter oder als Jarvis agiert. Diese beeindruckende Vielseitigkeit der Schauspielerin rettet das auf zwei beziehungsweise drei Schauspieler zugeschnittene Stück vor einer zusätzlichen Überlastung durch weitere Schauspieler, auch so bekommt man als Zuschauer bereits schnell den Eindruck, es sei alles ein bisschen zu »viel« und zu überzogen.
Wahrscheinlich hätte ein wenig mehr offensichtliche Struktur der Inszenierung gutgetan. So wirken die Ereignisse teilweise zufällig und lieblos aneinandergereiht, ohne offensichtliche Verknüpfungen. Dieses gnadenlose Alleinlassen des Zuschauers lässt sich natürlich auch als stilistisches Mittel verstehen, welches die Entfernung von der »normalen« Welt und die Entfremdung von Lucinda begreifbar machen soll, zweifelhaft ist dann jedoch, inwiefern solch eine Komplexität der Zielgruppe angemessen ist. Schließlich wird das Stück laut dem zugehörigen Flyer speziell als Schulstück deklariert und bereits ab einem Alter von vierzehn Jahren empfohlen- dem ist die Art der Umsetzung nicht angemessen, auch wenn der thematische Bezug durchaus aktuell sein kann.
Ein Blick ins Publikum während der von meinem Kurs besuchten Aufführung verstärkt diesen Eindruck. Neben unseren Kursteilnehmern gab es noch eine andere Schulklasse im ähnlichen Alter und ansonsten wenige Jugendliche und junge Erwachsene. Das kann sicherlich auch ein Zufall und kein allgemeingültiger Querschnitt sein, jedoch ist dies meiner Meinung nach für ein auf Heranwachsende ausgerichtetes Theaterstück durchaus bemerkenswert.
Das Thema Essstörungen oder psychosomatische Erkrankungen im Allgemeinen ist ein sehr sensibles. »Und auch so bitterkalt« setzt sich mit Anorexie und deren graduellem Fortschritt im Verlauf einer Erkrankung auseinander. An manchen Stellen fehlt es hier an der nötigen Sensibilität und Differenziertheit gegenüber den tatsächlich Betroffenen. So erfolgt etwa eine allzu pauschalisierende Eingrenzung der Zielgruppe auf »Mädchen in ihrer eigenen Welt«, wie es im Stück lautet. Das entspricht dem stereotypen Bild eines Anorexiepatienten, also eines jungen Mädchens, nicht jedoch den tatsächlichen Statistiken. So belegt eine Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2006 zum Beispiel Anzeichen für Essstörungen bei 12,8% der 17-jährigen Jungen in Deutschland, und noch viel mehr Fälle werden mit Sicherheit überhaupt nicht registriert. Das Gleiche gilt für Menschen im fortgeschritteneren Lebensalter; zweifelsohne sind Erkrankungen im Heranwachsendenalter am Häufigsten diagnostiziert, empirische Werte widerlegen aber nicht nur in Einzelfällen, dass man sich zu gewissen Aussagen nicht hinreißen lassen sollte- so heißt es zum Beispiel in der Broschüre zum Stück: »Essstörungen treten auf, wenn sich jugendliche Rebellion kannibalisiert«. Wahrscheinlich soll das Theaterstück »Und auch so bitterkalt« für das Thema Essstörungen sensibilisieren, aber dies sollte nur mit umfassendem Einblick und Empathievermögen geschehen, denn ansonsten schürt eine scheinbare Sensibilisierung dieser Art nur die ohnehin präsenten Stereotypen in Bezug auf psychosomatische Erkrankungen und führt damit zu etwas, was vielleicht noch viel gefährlicher ist als bloßes Unwissen: Dem Gefühl Bescheid zu wissen, obwohl faktisches Wissen nicht oder nur zu sehr geringen Teilen vorhanden ist.
Es widerstrebt mir, eine uneingeschränkte Empfehlung für dieses Stück auszusprechen. »Und auch so bitterkalt« behandelt auf moderne und unkonventionelle Art und Weise den Verlauf einer Essstörung und deren Folgen für das direkte Umfeld, kann hierbei jedoch nicht unbedingt in Adressatengerechtheit und Authentizität punkten, da sowohl Handlung als auch Umsetzung schnell ins allzu Skurrile abzudriften drohen. Deswegen sollte das Theaterstück, gerade als Lehrstück für Schüler, mit Vorsicht angesehen werden oder entsprechend nachbereitet werden, um die jungen Zuschauer für das Thema Essstörungen ernsthaft zu sensibilisieren. Die Handlung lässt viele Lücken offen, welche der Zuschauer selbst schließen muss, um nichts fehl zu deuten oder von Vornherein nicht zu verstehen. Wer überlegt, dieses Theaterstück zu besuchen, dem seien diese Einschätzungen vorher mit an die Hand gegeben, damit es möglich ist, sich auf dieses Theatererlebnis der besonderen Art einzulassen, unabhängig davon ob dieses »besonders« vom jeweiligen Betrachter als gut oder schlecht aufgefasst wird.

Sara Schulte 09.01.2017, 17:32

Und auch so bitterkalt

Der Titel des Stückes »Und auch so bitterkalt« ist dem bekannten Märchen »Hänsel und Gretel« der Brüder Grimm entnommen. Genaugenommen einem Lied, welches die Geschwister singen als sie allein durch den dunklen Wald irren. Mit einem Märchen hat das Stück jedoch nicht viel gemein, befindet es sich doch bei genauem Betrachten viel zu nah an der Realität.

Die Protagonistinnen sind zwei junge Schwestern. Lucinda, exzellent und mit viel Körperbeherrschung, gespielt von Laura Schuller, ist die Ältere von ihnen. Sie hat zwei Seiten. Ihr Name bedeutet die Strahlende, was sich in ihrer fesselnden Schönheit und Ausstrahlung widerspiegelt. Sie betritt den Raum und zieht alle Blicke auf sich. Sie wirkt sehr selbstbewusst und verdreht Männern die Köpfe. Dann ist da jedoch auch ihre dunkle Seite, wie Malina, die jüngere Schwester sie beschreibt. Dann zieht Lucinda sich zurück, redet nicht, lächelt nicht, isst nicht. Sie versucht, im Dunkeln zu verschwinden.
Dazwischen wird das Extrem deutlich. Sie hungert, streitet intensiv mit ihrer Mutter, fährt schnell und unaufmerksam mit ihrer Schwester durch die Nacht. Am Rande wird deutlich, dass sie regelmäßig sexuellen Kontakt zu Männern pflegt, um sie danach vor die Tür zu setzen und sich jeglicher Beziehung zu verweigern. Als sie sich schließlich verliebt, reklamiert sie die vollkommene Kontrolle über die Beziehung. Sie gibt ihm einen Namen und lässt ihn als Liebesbeweis über eine lebensgefährliche Brücke laufen. Auch vor sexuellen Anspielungen ihrer Schwester gegenüber macht sie nicht halt. Lucinda möchte sich um jeden Preis spüren; genießen, ohne dabei die Konsequenzen zu berücksichtigen. Sie überschreitet Grenzen, die sie nicht setzten kann. Dies findet schließlich seinen Höhepunkt in der fortschreitenden Anorexie, an der sie erkrankt. Sie möchte eins werden mit dem Universum, voll von Sonnen, Asteroiden und Sternen mit denen sie sich vergleicht und verglichen wird. Die Fähigkeit, die Grenzen zwischen Krankheit und Gesundheit, Liebe und Hass, Leben und Tod zu erkennen und Rat von Anderen entgegen zu nehmen, wurde ihr schon lange durch die Krankheit geraubt. Sie wirkt furchtlos, jedoch besteht ihre größte Angst wahrscheinlich darin, zu werden wie ihre Eltern. Diese reden kaum oder aneinander vorbei, verstricken sich in Arbeit und sind nicht in der Lage, den Kindern die Fürsorge zu geben, die sie brauchen. Was klingt wie eine nicht untypische Durchschnittsfamilie ist Lucindas Albtraum.

Da wo Lucindas Licht scheint ist jedoch auch Schatten. In diesem befindet sich ihre kleine Schwester Malina, überzeugend verkörpert von Sophie Krauß. Über sie erfährt man nicht viel, obgleich sie den größeren Sprechanteil besitzt, da ihr Lebensinhalt nur in ihrer Schwester zu bestehen scheint. Mit ihrer unbeschwerten, kindlichen Stimme erzählt sie von Lucinda, die ihr das Gefühl gibt, im Moment zu sein. Sie ist die Einzige, der Lucinda wirklich nah ist. Doch auch in ihrer Beziehung wird Lucindas Widersprüchlichkeit deutlich. Sie erleben zusammen viel, verstecken sich gemeinsam vor den Eltern, lachen und machen Musik. Lucinda nimmt jedoch keine Rücksicht auf ihre Schwester. Sie bringt sie in gefährliche Situationen und instrumentalisiert sie, um Verstärkung für ihren Hass auf die Eltern zu bekommen, fügt ihr sogar Schmerzen zu, da dies ihre Art ist, sich zu spüren. Malina ist aus Liebe zu ihrer Schwester naiv, manchmal beinahe etwas zu naiv, um authentisch zu wirken.

Raum einnehmen oder eben nicht einnehmen ist ein roter Faden, der sich durch das Stück zieht. So besteht das Bühnenbild lediglich aus einigen Kissen, Fellen, Musikgeräten und, im Hintergrund, dem Schreibtisch der Mutter, von den Schwestern nur Isa genannt. Durch die großartige Körpersprache Laura Schullers braucht es nicht viel mehr, gehört der Raum doch ihr. Malinas Beschreibungen regen die Phantasie an. Entwickelt man so doch ohne jegliche visuelle Inspiration detailreiche Bilder der räumlichen Umgebung der Beiden. Man hat direkt ein Bild von der ländlich geprägten Gegend, dem Nachbarhaus, dem Garten und dem darin stehenden Baum mit der Katze der Geschwister auf einem Ast sitzend. Auch die Musik spielt eine wichtige Rolle, welche sie auch erfüllen kann. Viele Passagen werden von lauter, schneller und wütender Musik unterlegt welche zu der Energie und der Impulsivität des Stückes passen und sie befeuern.
Lucindas blauer Lippenstift und die schillernden Klamotten unterstreichen ihre Kälte und die Unnahbarkeit. Sie ist gekleidet wie eine moderne junge Frau, die sich, wie nahezu alle jungen Frauen, eine Individualität herausnimmt. Malina ist, passend zu ihrer Rolle, eher unscheinbar und gewöhnlich gekleidet.

Die Stärke des Stückes liegt jedoch eindeutig in der Behandlung des Themas Anorexie. Die Krankheit wird nie in den Vordergrund gestellt und entgeht damit der Polemisierung. Das Stück schafft es, ein authentisches Bild einer interessanten, fesselnden jungen Frau zu zeichnen, welche erkrankt ohne dabei belehrend, abschreckend oder Lösungsorientiert zu sein und entgeht dabei der Gefahr, ein »Problemstück« zu sein. Es wird nie die Frage nach dem Warum gestellt, sondern nur nach dem »wer«. Lucinda ist stets Lucinda und nicht einfach nur »die Kranke« oder »die Hilfebedürftige« mit einer traumatischen Vergangenheit.
Das Stück bringt die Sorgen der Eltern, vor allem aber Lucindas Denkweise und Gefühle auf eine Art rüber, die nicht zu verbessern ist. Trotzdem wird deutlich, wie viel eine solche Krankheit ausrichten kann. Die energiegeladene, lebendige Lucinda verschwindet zusehends. Ihre körperlichen und geistigen Kräfte nehmen immer weiter ab, bis das Stück schließlich an dem Punkt, an dem sie zwingend eine stationäre Behandlung benötigt, endet. Wie auch bei anderen von Anorexie betroffenen Personen ist die Zukunft ab diesem Punkt ungewiss, so führt die Krankheit nicht selten auch in den Tod. Während nun Lucinda eigentlich diejenige ist, die dem Ideal ohne Rücksicht folgt um die vollkommene Perfektion, die Muse zu werden, verschwindet sie und mit ihr ihre ratlose Schwester, welche mit der Situation, ihrer Schwester bei ihrer Selbstzerstörung zuzusehen, überfordert ist. Sie kann nicht glauben, dass ihre perfekte Schwester sich plötzlich aufgibt. Das Ende lässt die Figuren nach einem rasanten Auf und Ab der Emotionen in einer einzigen, bitteren Kälte zurück.

Clara Schilling 09.01.2017, 14:21

KTZLMCHR

gnadenlos - gut!

james poelmann 06.01.2017, 21:40

Madame Bovary - Allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

Trauerte bisher den musikalischen Abenden von Wittenbrink aus der Ära Schulz nach. Diese Liederabende nachzuahmen ist nicht möglich, aber Bovary bietet Unterhaltung mit Anspruch in diesem Genre. War zum zweiten Mal drin und habe viel gelacht. War begeistert von der Vielseitigkeit und dem Gesang der Schauspieler! Bovary und Süd Park sind meine Hochlichter des Schauspiels.

Hans-Jürgen Haas 31.12.2016, 17:54

Macht und Widerstand

Eine der Sternstunden im Schauspielhaus - genial!!!!!!

Karin Voigts 15.12.2016, 23:26

Heidi

Vielen Dank für die großartige Vorstellung am 19.11.2016!

Hendrik Meier 21.11.2016, 10:14

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