Kinski

Klaus Kinski. Ich bin das blaue Fiebertier der Erde

Kunst und Leben. Georg Kaiser (1878-1945)

Ernst Barlach + Heinrich Zille. Grafiken

 

 

Klaus Kinski. Ich bin das blaue Fiebertier der Erde

Sonderausstellung 27. Spetmber bis 11. Dezember 2011

 

 

Ich bin der Morgen! Ich bin Helios!
Ich bin der ausgehetzte pockenkranke Faun,
der seine Flammen nur im Maul des Himmels stillt,
der wie ein steuerloses schweißzerkautes Floß
durch die zuenggewordenen Adern schwillt
und niemand anderem mehr vertrauen kann
als dem Gebiß zerstrahlter Luft –
Ich bin das blaue Fiebertier der Erde!

Klaus Kinski

 

Klaus Kinski (1926 -1991) gilt bis heute als eine der  schillerndsten und spektakulärsten Persönlichkeiten der Theater- und Filmwelt: Exzessiv bis zur Schamlosigkeit, extrovertiert und hochbegabt, radikal bis zur Selbstzerstörung.

Das Theatermuseum Hannover dokumentiert zusammen mit den Kuratoren  der Ausstellung, Ina Brockmann und Peter Reichelt (Mannheim), anläßlich seines 20. Todesjahres, umfassend sein Leben als Theaterschauspieler und Rezitator.

Die Ausstellung mit mehr als 500 Exponaten, unbekannten Photographien, Ton- und Filmaufnahmen, Dokumenten und Plakaten, zeigt ein neues Bild dieses begnadeten Meisters der Selbstinszenierung und außergewöhnlichen Schauspielers.

Die Ausstellung visualisiert vor allem den jungen und unbekannten Kinski. In umfassendem Briefmaterial kommt er selbst zu Wort und gewährt damit einen einzigartigen Blick in seine Psyche und Wahrnehmung der Welt.

Die Theaterphotographien und Porträts dieser frühen Jahre sind ein Beleg seiner außergewöhnlichen Bühnenpräsenz. Sie transportieren die dichte Atmosphäre und Faszination die er auf sein Publikum ausgeübt hat. Kinski besitzt die Fähigkeit, den Bühnenraum nur mit seiner Person zu beleben, jede Rolle mit seiner Person auszufüllen. Fast jedes Theaterstück wie auch jeder Film sind ein Stück oder Film über Klaus Kinski. Er ist ein Phänomen seiner Zeit, mit dem große Regisseure wie Jürgen Fehling und Fritz Kortner arbeiteten.

 

 

Klaus Kinski und das Theater

 

Als Klaus Kinski Anfang 1956 ans Burgtheater engagiert wird, glaubt er sich damit am Ziel seines Künstlertraumes und der tiefen Sehnsucht, als Nachfolger von Joseph Kainz (1858-1910) gefeiert zu werden. Für Kinskis Darstellung des Torquato Tasso wird das Originalkostüm von Kainz in dieser Rolle nachgeschneidert – und in einer beispielhaften fotografischen Selbstinszenierung zelebriert er optisch seinen Einzug in das Burgtheater.

Um so tiefer ist Klaus Kinskis Fall nach diesem euphorischen Künstlertraum. Wieder einmal ist es ein Tabubruch, der ihm am Burgtheater das Aus beschert: Auf dieser Bühne, wo seit dem 18. Jahrhundert ein Gesetz den Schauspielern fast ausnahmslos verbot, für den Applaus vor den Vorhang zu treten, an diesem ehrwürdigen Ort verteilt Klaus Kinski fröhlich Handküsschen in Richtung Publikum.

Das Burgtheater läßt ihn nicht mehr auf seine Bühne, da hilft auch ein Prozeß nichts. Aber es wartet eine andere große künstlerische Aufgabe in einem anderen Theater auf ihn: der Prinz Heinz in Shakespeares »Heinrich IV.«, den Fritz Kortner inszenieren will. Kinski und Kortner gehen nach der hochgelobten Premiere am 6.6.1956 im Münchener Residenztheater wieder getrennte künstlerischer Wege.

Von nun an beginnt sich die Frequenz von Kinskis Auftritten als Theaterschauspieler zu reduzieren, während Film und Fernsehen erst ab 1960 vermehrt nach seiner darstellerischen Präsenz verlangen werden. Seine Existenz kann Kinski in dieser Umbruchphase nur bestreiten durch zunehmend erfolgreichere Rezitationen von Gedichten geistesverwandter Rebellen ihrer Zeit wie François Villon oder Arthur Rimbaud.

Kann sich Klaus Kinski überhaupt längerfristig in ein Ensemble integrieren? Tatsache ist jedenfalls, daß sich die Liste seiner Theaterrollen liest wie eine einzige Wanderschaft. Er spielt an renommierten Theatern in Berlin, Wien und München und arbeitet mit namhaften Regisseuren. In seinem letzten Theaterengagement schließlich geriert er sich als schwer Integrierbarer: »Ich tue jeden Abend auf der Bühne das, was mir gerade einfällt, das ist am interessantesten...«

Am Ende seiner Theaterlaufbahn, 1962, gibt Kinski schließlich auf und wählt berühmte Monologe der dramatischen Weltliteratur, die ihm starke rhetorische und gestalterische Möglichkeiten eröffnen. In der Darbietung dieser Zusammenstellung führt Klaus Kinski nun ungehemmt vor, worin er die größte Meisterschaft besitzt: seine Kunst der Selbstinszenierung. Doch die Reaktionen von Publikum und Kritik sind ambivalent, und so zieht Kinski eine harte Konsequenz: 1962 schafft er den Theaterschauspieler Kinski ab. Auch als Rezitator entsagt er der Bühne bis auf die 1971 desaströs endende Ausnahme mit dem Programm »Jesus Christus Erlöser«. Eine Sehnsucht nach der Bühne ist ihm aber geblieben.

 

Eine Ausstellung von Reichelt und Brockmann, Mannheim.

 

"Ja, sie leben und atmen wie ein freies Tier ... Sie haben die Mähne des Löwen, den Blick des Adlers, das Lächeln des Wolfes, die rauhe Schönheit des tobenden Meeres und die wilde Hä߬lichkeit der schmelzenden Lava, blutrot, wie ein blutendes Herz, am Abhang des düsteren Vul¬kans ... Sie sind der Mann, von dem man immer wieder sprechen wird, aber an den sich niemand mehr erinnern kann ... die Legende ... Mensch zu sein ..."

(anonymer Brief an Klaus Kinski, Paris 1989)


Kunst und Leben. Georg Kaiser (1878-1945)
Sonderausstellung 27. September bis 11. Dezmber 2011

Die Kabinettausstellung erinnert an einen der meistgespielten Dramatiker des Expressionismus: Georg Kaiser. 65 Jahre nach seinem Tod im Schweizer Exil stehen Werke wie das Stationsdrama »Von morgens bis mitternachts« oder die Revue »Zwei Krawatten« immer noch auf den Spielplänen. Im Schauspiel Hannover ist zur Zeit »Der Silbersee« zu sehen.

 

Eine Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin.
       
 

Ernst Barlach + Heinrich Zille. Grafiken

Sonderausstellung 27. September bis 11. Dezmber 2011

In unserer zweiten Kabinettausstellung stellen wir Arbeiten von Ernst Barlach und Heinrich Zille gegenüber.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Lübeck.

 

Ausblick auf die Spielzeit 2011/12:

 

michael Jackson. welcome to my world...

(Januar bis März 2012)