DIE PHOTOGRAPHIN ROSEMARIE CLAUSEN. 20 Schauspielerporträts

Rosemarie Clausen (geborene Krögel) kommt am 5. März 1907 in Berlin, als Tochter eines Pfarrers aus angesehener Theologenfamilie, zur Welt. Eine Ausbildung zur Porträtmalerin bricht sie ab und absolviert stattdessen erfolgreich ("mit Auszeichnung") von 1925 bis 1928 eine Lehre im Porträtatelier Becker & Maass in Berlin.

»Ich wollte Malerin werden. Aber wir waren vier, und es fehlte an Geld. Malerin war nicht drin. Die Ausbildung war zu teuer. Mein Vater, den ich über alles liebte, brachte mich zur Photographie: Photos sind auch Bilder’, sagte er eines Tages, und das sah ich ein. Ich lernte photographieren in Berlin, und als die Ausbildung beendet war, wollte ich nicht in einem Provinzatelier gestellte Bilder ablichten, ich wollte mich ausdrücken... Ich begann zu arbeiten bei der Theaterphotographin Elli Marcus, und hier packte mich die Leidenschaft für diese schillernde Welt, die mich nicht mehr losließ. Ich hing ständig entweder im Theater oder in der Dunkelkammer ’rum, photographierte wie besessen, die Großen und die weniger Bekannten.«

Nach ihrer Tätigkeit bei der Theaterfotografin Elli Marcus von 1928 bis 1933, gründet sie ihr eigenes Atelier mit Schwerpunkt Theaterfotografie. Ab 1934 fotografiert sie über zehn Jahre hinweg am von Gustaf Gründgens geleiteten Staatstheater Berlin. Ihre Schauspielerporträts und Rollenfotos bebildern die Programmhefte des Hauses am Gendarmenmarkt. 1934 heiratet sie den Filmkaufmann Jürgen Clausen (1905-1944), aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.

Der Nationalsozialismus tut ihrer Karriere keinen Abbruch. Ihre Bildsprache wird geschätzt und propagandistisch verwertet, von NSDAP-Mitgliedern macht sie Familienporträts. 1938 wird ihr erstes Buch mit Theaterfotos »Mensch ohne Maske« veröffentlicht. Im Bombenkrieg wird ihr Archiv zerstört. 1945, nach dem Tod ihres Mannes, flüchtet Rosemarie Clausen mit ihren Kindern von Berlin nach Hamburg. Dort nimmt sie ihre Leidenschaft, die Theaterfotografie, wieder auf: Sie fotografiert für die Hamburger Kammerspiele, das Theater im Zimmer, das Ernst-Deutsch-Theater, das Thalia Theater und das Deutsche Schauspielhaus. Sie ist es, die 1947 die Uraufführung von Wolfgang Borcherts Schauspiel »Draußen vor der Tür« fotografiert und die Einzige, die den todkranken Autor, der einen Tag vor der Uraufführung im Alter von 26 Jahren starb, porträtiert. Mit Wolfgang Borchert hat sie in der Nachkriegszeit eine enge Freundschaft verbunden.

Rosemarie Clausen macht sich auch als Porträtfotografin einen Namen. Mit ihrer Ambrosius-Kamera geht sie gerne nah an die Gesichter heran. Marcel Marceau, Samuel Beckett, Jean-Louis Barrault und viele weitere stehen vor ihrer Kamera.

 Es folgen zahlreiche weitere Fotobücher und Publikationen wie z. B. »Schrift und Maske« (1958), »Theater. Gustaf Gründgens inszeniert« (1960), »Gründgens« (1963), »Faust in Bildern« (1960/64), »Schauspieler« (1966), »Barlach« (1966), »Begegnungen« (1967), »Schauspiegel« (1963), »Samuel Beckettinszeniert« (1969). Gelegentlich arbeitet sie auch an Foto-Reportagen für die Illustrierten Der Stern, Kristall und Weltbild.

Unter der Intendanz von Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg (1955-1963) wird sie die bekannteste deutsche Theaterfotografin der Nachkriegszeit. Als Einzige darf sie Gründgens bei den Proben ablichten und dass sogar aus dem 2. Rang, was er ansonsten streng verboten hatte. Rosemarie Clausen ist im Theater zuhause und verbringt dort mehr Zeit als so mancher Regisseur. Daneben hat sie zahlreiche Ausstellungen und ihr Werk wird mehrfach ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) und der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), welche sie mit dem Kulturpreis der DGPh ehrt.

1976 verabschiedet sie sich von Bühne und Kamera. Im Alter von 82 Jahren stirbt Rosemarie Clausen am 9. Januar 1990 in Hamburg.

 

Ihr Archiv betreut das Zentrum für Theaterforschung der Universität Hamburg. Das Theatermuseum dankt der Galerie Multiple Box Hamburg für das freundliche Zurverfügungstellen der Exponate.