Stefanie Sargnagel liest: Statusmeldungen

Als Social Media Postings Literatur wurden

GASTSPIEL | LESUNG | Di 24.04.18 | 19:30 | Ballhof Eins

  • Stefanie Sargnagel
    © Alexander Groll
  • Puneh Ansari

ZUM STÜCK

Sargnagel kommt aus dem Internet und ist, mit Ausnahme von Rainald Goetz und seinem Online-Tagebuch »Abfall für alle«, die erste deutschsprachige Autorin, die im Netz eine Form für sich gefunden hat, die passt, als Literatur funktioniert und über die bisherigen Kanäle ein großes Publikum erreicht. Stefanie Sargnagel schreibt radikal subjektiv und sehr weise über das sogenannte einfache Leben, über Feminismus, über Aussichtslosigkeit und Depression. Stefanie Sargnagel gibt sich wortkarg, gerät aber doch immer wieder ins Erzählen, zeichnet zwischendurch auch mal was, sprengt alle Genregrenzen und erreicht auf nie betretenen Pfaden etwas, das man nicht Roman nennen muss, um davon gefesselt zu sein. Das ist oft zum Brüllen komisch und manchmal tragisch. Ihre Texte sind wie ein Gipfeltreffen zwischen Christine Nöstlinger und Heinz Strunk, aus denen beide mit einem Mordskater hervorgehen. »Ich bin ja jetzt Autorin, und mit jedem Euro, den ich dadurch verdiene, wird mein inneres Poesievögelchen schwächer. Es schluckt die Münzen gierig, bis es nicht mehr fliegen kann, weil sie so schwer sind, und so landet es Flügelschlag für Flügelschlag auf dem Boden der Realität, auf dem es keine Phantasie gibt, nur Hundekot, Energydrinks und Umsatzsteuern. Mit jedem Satz, den ich für Bezahlung schreibe, erlischt in mir ein kleiner, lieber Stern. Lohnarbeit ist Demütigung, immer und ausnahmslos. Ich möchte nicht arbeiten, ich möchte meine Zeit mit Nichtstun verbringen, ich bin eine Außerirdische, ich bin der Mondmann, ich will mir alles in Ruhe anschaun hier auf der Erde. Ich möchte lieber Gelehrte sein, nur ohne die anstrengende Leserei oder ich möchte Asketin sein, aber ohne den ganzen Verzicht. Zu erzählen habe ich auch nichts mehr außer: ›Da muss ich noch das Schreiben und ein Formular ausfüllen, Rechnungen heften, Krankenkassa überweisen, und dann kauf i ma des vom Iglo. Des is guat. Das waam i ma auf. Des Schlemmerfilet. Guad is des.‹« 

Stefanie Sargnagel, geb. 1986, studierte in der von Daniel Richter angeleiteten Klasse der Akademie der Bildenden Künste Wien Malerei, verbrachte aber mehr Zeit bei ihrem Brotjob im Call-Center, denn: »Immer wenn mein Professor Daniel Richter auf Kunststudentenpartys auftaucht, verhalten sich plötzlich alle so, als würde Gott zu seinen Jüngern sprechen. Ich weiß nie, wie ich damit umgehen soll, weil ich ja Gott bin.« Seit 2016 ist sie freie Autorin – und verbringt  seitdem mehr Zeit bei ihrem Steuerberater. Sie erhielt den BKS-Bank-Publikumspreis beim Wettbewerb zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2016.

 

Stefanie Sargnagel bringt ihre ebenfalls lesende Kollegin Puneh Ansari (Hoffnun') mit nach Hannover!

 

ich sehne mich nach urlaub / ich will pilzpofesen »tschernobyl« verköstigen in odessa
Puneh Ansari ist die Texterin der Zivilisationsmüdigkeit. Sie dreht in ihren poetischen Kurzessays, die zuerst als Posts auf Facebook erschienen sind, apokalyptische Pirouetten. Alltägliche Beobachtungen kippen ins Existenzielle, Melancholie trifft auf komische Sprachspiele. Da ist die Wut über den Konsumkapitalismus, da ist die Depression über das not so very enhanced, unfertige Ich, die Enttäuschung über den leergefegten Jobmarkt mit »Berufen«, der Computer ist heiß gelaufen … Ansari schreibt mit einer jugendlichen Anti -Haltung und einem Rest an Sehnsucht nach einer reparierten, heilen Welt. Ist die Natur nur noch ein absurdes Gegenüber?

Puneh Ansari, geboren 1983 in Wien, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Sie wohnt als Autorin und Künstlerin in Wien.

ZUR INSZENIERUNG

Stefanie Sargnagel in unserer Radiosendung Theaterzeit auf Radio Hannover:

PUBLIKUMSSTIMMEN

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