Opulente, dunkel funkelnde Bühnenshow

Sieben Trommeln bewegen sich auf der Drehbühne im Kreis. Lauter und immer lauter schlagen die Schauspieler die Trommeln, so wild, dass die Schlägel brechen. Das muss so sein, denn es ist Krieg. Macbeth kämpft, er schlitzt seinen Gegner „vom Bauch bis zum Kinn“ auf, aber das sieht man nicht, das ist alles nur Klang. Aber was für ein Klang! In das Trommelgrollen mischen sich die Stakkatoklänge eines entfesselten Saxophons. Das ist ein starker und packender Beginn einer an starken und packenden Szenen reichen Inszenierung.

Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson, der das Publikum am Schauspiel Hannover mit seiner Version der „Edda“ und mit seinem „Hamlet“ hingerissen hatte (und mit der „Edda“ jetzt auch für den Theaterpreis „Faust“ nominiert ist), hat Shakespeares blutige Tragödie „Macbeth“ als opulente, dunkel funkelnde Bühnenshow inszeniert.

Örn Arnarsson pflegt einen sehr ensembleorientierten Inszenierungsstil; es wird viel improvisiert, man erlaubt sich, auch längere Irrwege gemeinsam zu gehen. Möglicherweise ist es dieser Probensituation geschuldet, dass es in diesem „Macbeth“ nicht einen Königsmörder gibt, sondern gleich drei, beziehungsweise sechs, denn Macbeth und Frau agieren ja als Paar. Diese Aufspaltung des Textes auf viele Darsteller ist interpretatorisch durchaus zu rechtfertigen: Wir haben es mit einer zersplitterten Persönlichkeit zu tun, alles hier passiert ja ohnehin nur im Kopf, das Spiel hat viele Facetten und das Konzept von Rolle und Schauspielerpersönlichkeit sollte ohnehin mal einer Revision unterzogen werden.

+ 19.10.18 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Ronald Meyer-Arlt +

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