Bildgewaltiger, wirkmächtiges Theater

Der Tod kommt auf Plateausohlen und mit Saxofon und bläst sie alle um: die vier Männer und drei Frauen, die im Schauspielhaus um ihr Leben trommeln. Krieg, Tod, dunkelste Zeit gleich zu Beginn. Und es wird nicht heller in Thorleifur Örn Arnarssons Inszenierung von Shakespeares „Macbeth“ im Schauspielhaus.

Regie-Schamane Arnarsson bietet nach „Hamlet“ und „Die Edda“ erneut bildgewaltiges, wirkungsmächtiges Theater in Hannover, diesmal jedoch mit grandios reduziertem Versuchsaufbau. Sieben Spieler, die Bühne (Börkur Jonssun) ein Rad und ein Wunderwerk, erst Drehscheibe, dann unsteter schwebender Grund, schließlich Spiegelfläche für ein blutiges Abendmahl darunter. Die Geschichte des Kriegsherren Macbeth, der sich in einer Geschichte des Tötens zum Tyrannen Schottlands aufschwingt, ist kein Kindergeburtstag.

Sie alle spielen, als gäbe es kein Morgen mehr und auch kein Morden, eine vielstimmige Einheit, mit den fiesen, elektronisch verfremdeten Saxofon-Tönen Bendik Giskes als Störmelder.

Es ist eine düstere, brettharte, fordernde und oft auch überfordernde Inszenierung, gespeist aus schwärzestem Nihilismus. Blut spritzt in Strömen, doch es sind innere Verheerungen. Alles ist tot, die Welt eine Scheibe, mehr in sich zusammenfallendes als aus sich selbst heraus rollendes Rad und das Leben wie bei Shakespeare „ein Märchen, erzählt von einem Idioten“. Am Ende steht: Nichts.

+ 19.10.18 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

zurück zu »Macbeth«