Zahnradartige Spielfreude

Die Symbolik der Bühne reflektiert Macbeths Entwicklung: Anfangs dreht sich das schottische Personalkarussell, wird zu schwankendem Untergrund und schließlich zur zerbrochenen Reflexion des Wahnsinns. Ebenso wird das Ensemble mit jedem Mord blutiger, wäscht die Hände in Schüsseln voller Kunstblut, trinkt es auf Festen und bei Mahlzeiten, beschmiert sich gegenseitig damit. Macbeth selbst wird mit einer blutigen Krone zum König gekrönt.

Die wechselnden Rollen erlauben schnelle Repliken, überzeichnete Figuren und Hintergrundgemenge für Menschentableaus. Gemeinsam walzen sie als eine große Machtmaschine Richtung Wahnsinn.

Alles das absolviert das Ensemble mit zahnradartiger Spielfreude. Dabei geht es immer um die Frage nach Macht: Macbeth erwirbt sie illegitim, befleckt sich mit Blut, um sie zu bekommen und dann aufrechtzuerhalten, verliert für sie Freunde, Frau, Verstand.

Arnarsson schafft dabei starke Bilder von einfacher Symbolik – die wie geborsten wirkende Spiegelfläche, das Blut, das nach und nach an allen Darstellern klebt –, hält sich aber nicht damit auf, Macbeths Kampf um die erworbene Macht mit der Gegenwart zu vernähen. Stattdessen illustriert er eindrucksvoll, aber auch ein bisschen einseitig, dass Macht, die um der Macht willen, also aus Gier unrechtmäßig erworben und missbraucht wird, ein ziemlich brüchiges Ding ist.

+ 19.10.18 + nachtkritik + Jan Fischer +

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