Geballte Kraft an starken Ensembles

Überwältigen will die Inszenierung vom ersten Augenblick an. Im Mittelpunkt steht für die ersten Minuten der norwegische Saxofonist Bendik Giske: Mit endlos in sich verschlungenen, auf- und abschwellenden Dreiklanggirlanden vom elektronisch vervielfältigten Instrument gibt er den Ton vor für das immer extatischer trommelnde Ensemble. Auf kreisrunder Drehbühnenplatte dreschen sie alle immer martialischer auf die Trommeln ein, angeblasen und animiert vom Saxofonisten, der auf Kothurnen im Kreis vom einen zum anderen schreitet. Bis eine nach dem anderen schreiend, schwitzend und keuchend am Instrument zusammenbricht. Das ist Ritual pur. Und nach begeistertem Szenenbeifall für diese Eröffnung ist umstandslos zu begreifen, wohin diese Inszenierung gehen will.

Neben dem Saxofonisten Bendik Giske ist Bühnenbildner Börkur Jónsson der andere Hauptdarsteller des Abends. Die drehbare Platte vom Beginn kann auch in die Höhe schweben, und wird sie gekippt, ist sie der Spiegelhimmel über dem Bankett im Hause Macbeth, wo der Geist des ermordeten Konkurrenten Banquo erscheint. Der Bankett-Tisch mutiert später zur Schlachtbank, reichlich Blut wird auch auf ihm noch versprüht und im diffusen Bühnenlicht wird bald alles ununterscheidbar, jeder und jede.

Wie schon öfter mal ist in Hannover die geballte Kraft an starken Ensembles zu bestaunen, auch und vielleicht gerade wenn nicht mehr zu erkennen ist, wer wer ist.

+ 19.10.18 + Deutschlandfunk Kultur + Michael Laages +

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