Lustvolle Offenheit

Im Mittelpunkt steht die Abrechnung mit Schiller, die Eisenach gespickt mit bösartigem Humor, Hakenkreuzen und Off-Kommentaren als berauschendes Gaga-Fest auf die Bühne bringt. Die Spitzen gegen Schwulst und Sprache sitzen, richtig lustig wird es aber erst da, wo es auch tagesaktuell zur Sache geht. Etwa wenn mit den Ratten auf der Bühne über das Theater an sich gesprochen wird: Hinreißend aufgeregt tobt Maximilian Grünewald und wirft mit den Zutaten der Critical-Whiteness-Debatte um sich. Wenn der Herr Direktor hier nun unbedingt sein kleines Kolonialtheater machen wollte, heißt es, dann könne er auch gleich Baströckchen und Schuhcreme holen.

Und so poltert es eine ganze Weile erfrischend kirre drunter und drüber: mit Blut und allerlei Deutschlandfahnen, BRD-Kitsch und den kleinen Freuden der Wirtschaftswunderwarenwelt – Maggi, Sprühsahne und (natürlich) Persil. Das Symbolgewitter entlädt sich schließlich in der guten Stube, wo sie alle miteinander sitzen und ihre schmerzenden Seelen beklagen. Die Welt verstehe ihn nicht, sagt ein Räuber, und wie es ihn umtreibe, dieses Streben nach authentischem Leben in der Natur und so weiter. Am Rand sitzt Hitler und nickt bedächtig. Ihm geht es da ganz ähnlich.

Eine ganze Weile geht das alles auch gut, mit der lustvollen Offenheit, die sich auch für (übrigens wirklich sehr witzige) Slapstick-Einlagen nicht zu schade ist.

+ 23.03.19 + taz + Jan-Paul Koopmann +

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