Fokussierte Endzeit-Partystimmung

Doch die sperrige Kulturphilosophie braucht man nicht zu kennen, um aus „Räuber-Ratten-Schlacht“ einiges mitzunehmen. Etwa, wie man selbstreferenzielles Theater macht, ohne selbstverliebt zu wirken. „Die Ratten“ bietet eine Steilvorlage mit seiner Diskussion der Vorzüge klassischen und naturalistischen Theaters, was Andreas Schlager, Henning Hartmann und Maximilian Grünewald spaßig aufgreifen: Erst knödeln sie Monologe, purzeln, sich prügelnd, in die erste Reihe, und schließlich wird der Schauspielerlehrling Spitta (Grünewald) zur Strafe für seine Abneigung gegen Schillers Spätwerk in den Orchestergraben heruntergefahren.
Doch das Stück bleibt trotz der Endzeit-Partystimmung fokussiert. Das liegt an Heiner Müllers Sprache, der spärlichen Effektivität, mit der Führerkult und Märtyrertod in fünf Episoden zur Groteske seziert werden: „Der Führer ist tot, es ist Hochverrat, zu leben“, sagt ein linientreuer Familienvater, der Tochter (Carolin Haupt) und Frau (Susana Fernandes Genebra) hinrichtet, um dann den Revolver einzustecken und zu fliehen. Die Szenen der „Schlacht“ spielt das Ensemble vorm Vorhang in einer klaustrophobischen Enge.

+ 25.03.19 + Neue Presse + Lilean Buhl +

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