Wunderbare Sängerin

Die Geschichte von zwei Frauen also, der widerspenstigen Liedermacherin Wegner und der nur scheinbar systemkonformen Schriftstellerin Wolf, verdichtet Haupt: Weltenlauf und Standortbestimmung im kleinen Rahmen, Ohnmacht und Widerstand und immer wieder die Frage, was sagbar ist.

Haupt ist eine wunderbare Sängerin. Sie beherrscht die Berliner Rockgöre à la Mias Mieze Katz ebenso wie den divenhaften Punk einer Nina Hagen. Die exzellente Band – Christian Decker, Tim Golla und Christoph Keding im Wendezeit-Jeansblau – hat dem alten Ostrock ein neues und sehr wuchtiges Gewand aus Wave und Postpunk verpasst.

Am Ende findet Wolf Trost beim Philosophen Wittgenstein und beginnt zu schreiben, in der Erkenntnis, dass das Unaussprechliche doch immer unausgesprochen mitklingt. Zu schweigen, wenn etwas gesagt werden muss, war – und ist – nie eine Alternative.

+ 04.10.18 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

zurück zu »Ich wollt‘ ein Lied, DAS Lied, und kann‘s nicht schreiben«