Eindringlich

Ein entsprechendes Verhörprotokoll gehört zur Textsammlung des Abends, ebenso Wegner-Gedichte und Auszüge aus Wolfs Erzählung „Was bleibt“, in der die Autorin beschreibt, wie aus einer verdeckten Überwachung durch die Stasi ganz ungeniert eine offene wurde. Ferner gibt es zur Begleitung einer sehr kompetenten Drei-Mann-Band Ost-Rock zu hören, etwa „Glastraum“ von City oder die Silly-Titel „Angst in der Nacht“ und, ganz großartig, „Die alten Männer“.

 

Wenn Schauspieler singen, kratzt das zuweilen an der Grenze zur Peinlichkeit – nicht so bei Carolin Haupt, die ihre stimmlichen Grenzen sehr genau kennt und ihr immerhin beachtliches Spektrum voll ausreizt. Die Darstellerin versteht es zudem hervorragend, inhaltliche Zwischentöne herauszuarbeiten. Wie kann, soll, darf, muss man unter den gegebenen Umständen künstlerisch arbeiten, vor allem, wenn man die sozialistische Idee als solche gar nicht einmal unbedingt ablehnt?

Der Abend ist eine Gratwanderung zwischen Verletzlichkeit, Sinnsuche, Selbstbewusstsein im wahrsten Sinne des Wortes, Aufbegehren und noch vielem mehr – nie wirkt er in irgendeiner Weise aufdringlich, immer eindringlich. Und bleibt auch für alle nachvollziehbar, die persönlich mit der DDR-Sozialisation nie etwas am Hut hatten.

+ 28.10.18 + Kreiszeitung + Jörg Worat +

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