»Tour de Force durch die nordische Mythenwelt«

Benedikt Fleischer, 05.07.2018 über Die Edda:

Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit der Edda und auch wenn viele Elemente in Bezug auf einzelne Mythen nur tangiert wurden (die Edda hat eben eigentlich keine klassische Erzählweise, wie wir sie kennen, wie ich im tollen Vortrag in der Pause gelernt habe), hat mir das Stück tiefen Einblick in die nordische Sagenwelt und die damit im Stück verknüpften Elemente und Gedanken über das menschliche Dasein aufgezeigt dank einer Inszenierung die mutig genug war viele Erzählstränge miteinander zu verknüpfen, gleichzeitig, nebeneinander, übereinander und untereinander laufen zu lassen- mit großem Erfolg.
Zukunft, Vergangenheit, Ende, Anfang, Tod und Leben, das alles scheint ineinanderzugreifen.
Besonders ergreifend war dabei der Auftakt in den ersten 10 Minuten, der einem wirklich Gänsehaut gemacht hat, wenn die Erzählstimme aus dem Off Ragnarök, das Ende gleich zu Beginn in bis zu sich überschlagender, schreiender Stimme schildert, untermalt mit grandiosen Nebel- und Lichteffekten - um dann unmittelbar und unerwartet in eine Art Museumsführung überzugehen, die den den Hintergrund der Edda erklärt. Solche unmittelbaren Brüche sind überraschend aber immer stimmig mit dem Hintergrundmaterial und dem Konzept der Edda und decken eine ganze Bandbreite an Emotionen, in einem Moment lacht man über Lokis Tricksereien und wird im nächsten gefesselt und ergriffen von der geschickt ausgewählten Musik, die Live auf der Bühne instrumentiert und gesungen wird (besonders ergreifend "My body is a cage - Arcade Fire"). Das ganze ist eine wahre Tour de Force durch die nordische Mythenwelt, großartig inszeniert, mit einem wahnsinnig aufwändigen Bühnenkonzept, tollen Schauspielern und Kostümen.
4 Stunden vergingen wie im Flug und ich glaube, wenn man es sich nochmal anschaut, wird man immer wieder neue Elemente entdecken können. Ich freue mich darauf, denn es war ganz großes Theater!

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