Rote Lieder in Cumberland

»2002 stieß ich im Osten Berlins zufällig auf ein altes Lagerhaus, das angefüllt war mit Bergen verrottender Literatur aus den öffentlichen Gebäuden der DDR, sowie etlicher vergilbter sozialistischer Gemälde. Im gleichen Zeitraum machte ich erste Bekanntschaft mit alten kommunistischem Liedgut. Die Texte strotzten vor Optimismus und Tatendrang, häufig verzahnt mit einer Radikalität, die sich zu starker Brutalität hinreißen ließ. Die Überzeugung, die aus diesen alten, untergegangenen Zeilen sprach, berührte mich stark. Seit diesem Zeitpunkt suche ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder nach Texten, die im weitesten Sinne der Arbeiter- und Bauernbewegung entspringen. Einiges ist bereits über 500 Jahre alt. Und in allem geht es um die Frage: was muss ich tun, um gut zu leben?«

(Vincent Doddema)

 

Vincent Doddema, geboren 1980, aufgewachsen in den Arbeiter- bzw. Hafenstädten Dortmund und Rotterdam, begann mit etwa sechs Jahren im elterlichen Tanzstudio zu steppen. Die Ausbildung zum Schauspieler absolvierte er in Potsdam-Babelsberg. Bereits dort begann er, sich mit dem Verhältnis von Tapdance und Schauspiel auseinander zusetzen; er kombinierte einen Text von Heinrich von Kleist mit rhythmischen Fußgeklapper. »Steppen, Sang und Sozialismus« versteht sich auch als eine Fortführung dieser Untersuchung. Seit der Spielzeit 2006.2007 ist Vincent Doddema festes Ensemblemitglied am Oldenburgischen Staatstheater.