SPIELZEIT 2018/19 VERÖFFENTLICHT

Über den 21 Neuproduktionen der Spielzeit 2018/19 des Schauspiel Hannover steht das aus dem großen Abschiedsfestival des Ensembles hergeleitete Motto It’s better to burn out than to fade away. Es ist ein Abschied als Aufbruch, der das flüchtige Medium Theater feiert und Produktionen präsentiert, die sich das Leitungsteam um Lars-Ole Walburg nur hier, am Schauspiel Hannover, vorstellen kann. Mit dabei sind unter anderem sechs Uraufführungen, einige neue Regiehandschriften, neue und bewährte Reihen in Cumberland sowie partizipative Projekte im Jungen Schauspiel.

 

Eröffnet wird die Saison am 31. August mit Der schwarze Obelisk nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Lars-Ole Walburg beendet damit, nach Im Westen nichts Neues und Die Nacht von Lissabon seine Remarque-Trilogie. Mit Macbeth von William Shakespeare inszeniert nach Hamlet und Die Edda erneut der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson am Schauspiel Hannover. Zuvor führt er bereits bei der Uraufführung des Projektes Die verlorene Oper. Ruhrepos Regie, das er derzeit zusammen mit dem Dramatiker Albert Ostermaier entwickelt und das die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen fortsetzt. In Hannover feiert das Stück am 31. Januar Premiere. Ebenfalls in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen erscheint die Uraufführung von Trutz nach dem Roman von Christoph Hein. Dušan David Pařízek (Maria Stuart, Macht und Widerstand) inszeniert die Bühnenfassung dieser Auseinandersetzung mit den Zukunftsträumen einer ganzen Generation.

 

Ebenfalls fortgeführt wird die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Tanzkompagnie Landerer & Company, die mit Hikikomori erneut ein Tanztheater im Schauspielhaus präsentiert. Hausregisseur Tom Kühnel nimmt sich mit Das Sams von Paul Maar dem diesjährigen Familienstück an, bevor er sich zum Ende der Spielzeit mit einem lange vergriffenen Stück von Martin Mosebach verabschiedet: Rotkäppchen und der Wolf: Ein Drama ist weit mehr als eine Fortschreibung des bekannten Märchens. Tom Kühnel inszeniert diese Feier des Erzählens, diesen Parforceritt durch Literatur- und Kulturgeschichte mit dem gesamten Ensemble.

 

Mit Sascha Hawemann, der sich in seinem Projekt Iggy – Lust for Life mit Iggy Pops Berliner Zeit beschäftigt, und Claudia Bauer, die Bertolt Brechts satirisches Gangsterspektakel Der aufhaltsame Aufstieg der Arturo Ui inszeniert, kehren ebenfalls zwei in Hannover bekannte Regiehandschriften zurück. Zum ersten Mal in Deutschland inszeniert der polnische Regisseur und Videokünstler Lukasz Twarkowski, der sich in Es war einmal … das Leben mit dem menschlichen Körper als Kampfzone beschäftigt. Inspiriert wurde er von der bekannten Zeichentrickserie aus den achtziger Jahren. Hausregisseur Alexander Eisenach setzt sich in der Räuber-Ratten-Schlacht mit Heiner Müllers Gewaltreigen Die Schlacht auseinander. Er verschränkt den Stoff mit Friedrich Schillers Räubern und Gerhart Hauptmanns Ratten.

 

Uraufführungen und eine neue Reihe in Cumberland

 

Drei Uraufführungen stehen in Cumberland auf dem Spielplan. Den Beginn macht am Eröffnungswochenende die Dramatisierung von Takis Würgers Roman Der Club, der seinen Ausgang am Fuße des Deisters nimmt, in der Inszenierung von Alexander Eisenach. Swantje Möller inszeniert den mutigen Befreiungsschlag von Deborah Feldman, Unorthodox und Erik Ulfsby (Shockheaded Peter), Intendant des Norske Teatret in Oslo, erarbeitet aus dem umfangreichen Recherchematerial von Journalistin Åsne Seierstad den Theaterabend Geschichte eines Massenmörders, in dem er die Gründe für die zunehmende Popularität rechten Gedankenguts und den Amoklauf von Anders Breivik beleuchtet.

 

Dramaturgin Rania Mleihi eröffnet eine neue Gesprächsreihe mit Künstler*innen aus dem arabischen Raum: In den Arabesques befragt sie ab Januar 2019 in deutscher und englischer Sprache einmal monatlich die Gäste Rasha Abbas, Sulafa Hijazi, Rabih Mroué, Mey Seifan und Dr. Ali Souleman zu ihrer Arbeit zwischen Heimat und Exil. Bewährte Reihen wie die gesellschaftspolitische Gesprächsreihe ABC der Demokratie sowie der gastrosophische Abend Feed your head in Kooperation mit der boca Gastrobar, die szenischen Lesungen im [Writer’s Studio] in Kooperation mit dem Literaturinstitut Hildesheim und die Konzertreihe Cumberlampe in Kooperation mit Feinkost Lampe bleiben ebenso erhalten wie Jürgen Kuttners Videoschnipselabende, Dieter Hufschmidts Langzeitlesung und die allwöchentliche, bereits zum Kult avancierte Montagsbar.

 

In Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover und der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft veranstaltet das Schauspiel Hannover vom 21. bis 24. März das Internationale Heiner-Müller-Symposium KüstenLANDSCHAFTEN mit Wissenschaftler*innen und Theaterpraktiker*innen aus zehn verschiedenen Ländern.

 

Neue Regiehandschriften und partizipative Projekte im Ballhof

 

Im Jungen Schauspiel arbeitet zur Eröffnung der Spielzeit erstmals der kroatische Regisseur Oliver Frljic in Hannover und wird sich in der Auseinandersetzung mit Lessings Nathan in die neuerdings wieder kontrovers geführte Toleranz- und Schulddebatte einmischen. Paul Schwesig (All das Schöne) hat sich mit der Uraufführung des Romans Endland von Martin Schäuble eine Fiktion vorgenommen, die mit dem Fall um den Soldaten Franco A. von der Realität eingeholt wurde. Mit der als Film bekannt gewordenen Erzählung Der seltsame Fall des Benjamin Button von F. Scott Fitzgerald kehrt Mina Salehpour an den Ballhof zurück und Lena Iversen inszeniert die tragikomische Fabel Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben des portugiesischen Theatermachers Tiago Rodrigues für alle ab 10 Jahren. Gegen Ende der Spielzeit erarbeitet das Kollektiv andcompany&Co. mit Jugendlichen aus Hannover den Theaterabend Fake Youth, basierend auf Gedanken von Hannah Arendt. Als Klassenzimmerstück für Kinder ab zehn Jahren hat sich Wera Mahne das Stück Krasshüpfer von Simon van der Geest vorgenommen.

Ebenfalls fortgeführt wird das YALLA_Ensemble als Theaterlabor für Zugewanderte und Alteingesessene mit einer eigenen Produktion im Ballhof Zwei.

 

Gastspiele

 

Die Publikumslieblinge Samuel Finzi, Corinna Harfouch und Sophie Rois gastieren mit eigenen Theaterabenden und szenischen Lesungen auch in der Spielzeit 2018/19 am Schauspiel Hannover und der Schweizer Musiker und Theatermacher Ruedi Häusermann kehrt mit seinem neuen Stück Tonhalle, einer musik-theatralischen Selbstbehauptung, zurück nach Hannover. Das Stück wird in Kooperation mit dem 2019 wieder in Hannover stattfindenden Festival Theaterformen gezeigt.

 

It’s better to burn out than to fade away – das Abschiedsfestival des Ensembles in Cumberland

 

Mit dem großen zweiwöchigen Abschiedsfestival It’s better to burn out than to fade away vom 29. Mai bis 10. Juni verabschiedet sich das in zehn Jahren zusammengewachsene Schauspielensemble mit lange erträumten und unverwirklichten Ideen von seinem hannoverschen Publikum. 13 Tage, rund um die Uhr, bei offenen Türen, will das Ensemble den Raum in Cumberland noch einmal ganz einnehmen, beleben, bespielen, befeiern und befeuern. Das detaillierte Programm für dieses Herzensprojekt folgt im Frühjahr 2019.

 

Termine & Service

Am Sonntag, 6. Mai, um 11 Uhr werden bei einem Spielzeit-Frühstück extra im Foyer alle neuen Stücke vorgestellt. Die Moderation übernimmt HAZ-Redakteur Jan Sedelies. Der Eintritt ist frei.

Am 6. Juni beginnt der Vorverkauf für alle Premieren in der Spielzeit 2018/19 im Schauspielhaus und in Cumberland sowie für die Premieren im Jungen Schauspiel bis Ende 2018. Am 21. Juni erscheint der Spielplan für August und September und der Vorverkauf für alle Vorstellungen in diesem Zeitraum beginnt.

 

Das vollständige Spielzeitheft können Sie HIER als PDF herunterladen.

 

Foto: Katrin Ribbe
v. l. n. r.: Mathias Max Herrmann als Tom Kühnel, Carolin Haupt als Judith Gerstenberg, Henning Hartmann als Lars-Ole Walburg, Philippe Goos als Alexander Eisenach und Susana Fernandes Genebra als Barbara Kantel.