Johanna Wokalek liest

Marcelle Sauvageot (1900–1934) verfasste nur ein einziges Werk, das posthum veröffentlicht wurde. Sie reagiert darin auf dessen lapidar-grausame Ankündigung: »Ich heirate … Unsere Freundschaft bleibt …«. Aus der seelischen Ohnmacht des Verlassen-Werdens rettet sich Marcelle Sauvageot mit einem Frontalangriff: Sie greift zur Feder, und mit jedem Satz ihrer klaren Analyse der Situation und des Charakters des Verlobten gewinnt sie die Macht über ihr Gefühlsleben zurück.

 

Im Dialog mit Jacques Ammon am Klavier erweckt Johanna Wokalek die jung verstorbene Marcelle Sauvageot für einen Abend als kraftvolle Persönlichkeit zum Leben: Als eine Frau, die sich weder von enttäuschter Liebe noch von einer schweren Krankheit unterkriegen lässt – eine Frau, die ihren Kummer in einer ebenso kraftvollen wie poetischen Sprache zum Ausdruck zu bringen und zu überwinden sucht.

 

Johanna Wokalek, geboren in Freiburg, studierte Schauspiel am Wiener Max Reinhardt Seminar. Während ihres Studiums debütierte sie als Theater- und Filmschauspielerin, war von 2000 bis 2016 festes Mitglied im Ensemble des Wiener Burgtheaters. Auch aus Film und Fernsehen ist Wokalek bekannt, erhielt bereits den Bayerischen Filmpreis. Der Durchbruch als Kinodarstellerin gelang ihr 2005 mit Til Schweigers Erfolgsfilm »Barfuss«. Mit ihrer Familie lebt sie heute in Paris und Hamburg. Seit einigen Jahren wirkt Wokalek an der Realisierung von Kreationen mit, die über die Interaktion zwischen Musik, Theater, Literatur und Bildender Kunst neue künstlerische Ausdrucksformen erproben. 2015 eröffnete sie mit dem von ihr konzipierten musikalisch-szenischen Lesung »Fast ganz die Deine« das Hamburger Theater Festival.

 

Jacques Ammon, in Santiago de Chile als Kind deutsch-chilenischer Eltern geboren, gewann 1989 den internationalen »Claudio Arrau« Klavierwettbewerb. Es folgten zahlreiche Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, seither gastiert er regelmäßig in chilenischen Konzertreihen und Festivals. Seine Studien begann Jacques Ammon an der Universität zu Chile und setzte sie 1990 an der Musikhochschule Lübeck fort, an der er seit 2000 selbst seine Erfahrungen als Dozent weitergibt. In Deutschland ist der in Berlin beheimatete Künstler in bedeutenden Musikzentren zu Gast. 2002 debütierte er in Japan. Ein besonderes künstlerisches Anliegen ist Ammon die Gegenüberstellung von klassisch-romantischem und lateinamerikanischem Repertoire.

 

Dienstag, 27.11.2018, 19:30 Uhr, Schauspielhaus

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