Gastspiel aus Dresden

Ganz und gar menschengemacht sind die Erniedrigungen und Beleidigungen, die sich die Figuren aus Fjodor Dostojewskis Roman Erniedrigte und Beleidigte selbst und gegenseitig zufügen. Liebe ist in Dostojewskis Großstadtmoloch St. Petersburg nichts anderes als Macht- und Besitzanspruch. Romantische Idealisten und eiskalte Überlebenskünstler stehen sich hier gegenüber und Dostojewski zeigt einen kaleidoskopartigen Blick auf menschliches Wollen und Handeln.

Der Inszenierung aus Dresden von Sebastian Hartmann geht es nicht darum, die Handlungslinien der Romanvorlage nachzuzeichnen, die Geschichte vom Schriftsteller Iwan und dem skrupellosen Fürsten Walkowski chronologisch nachzuvollziehen – sie geht stattdessen assoziativ vor, lässt zahlreiche thematische Exkurse zu. Trotzdem ist die Vorlage Dostojewskis als Grundpuls zu spüren. Hartmann ist es gelungen, den Sound des Romans zu destillieren und in polyphone, choreografische Szenen zu übersetzen. »Blanke Verzweiflung, bodenlose Freude und die Bewusstwerdung des Scheiterns«, sieht Bernhard Doppler von Deutschlandfunk Kultur in tief poetische Momente gegossen. Dazu kommt ein Ensemble, das mit jeder einzelnen Figur brilliert und mit wuchtigem Einsatz spielt: Spiegel Online spricht von »passioniertem Jubel und ebenso leidenschaftlichen Buhrufen«, nachtkritik.de sah ein »Gesamtkunstwerk« und »großes, größenwahnsinniges Theater«.

 

Freitag, 30.11.2018, 19:30 Uhr, Schauspielhaus

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