Theatermuseum

"Jeder Mensch ist ein Museum." 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2017

 

Das Theatermuseum Hannover, gegründet 1928, bietet auf drei Etagen Platz für wechselnde Sonder- und Kabinettausstellungen, die sich Themen und Protagonisten rund um die darstellenden Künste auf kreative Weise annähern. Vorträge, Lesungen, Konzerte und Kindertheater sorgen darüber hinaus für ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm. Besuchen Sie uns in der Prinzenstraße, direkt im Schauspielhaus!

 

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In den nächsten Tagen - STOPP! - erscheint - STOPP! - das neue Buch - STOPP! - in unserer Schriftenreihe - STOPP! - "Prinzenstraße. Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte - STOPP! - :

 

DOPPELHEFT 17

"SCHLAGKRAFT DER FORM". KURT SCHWITTERS. THEATER UND TYPOGRAFIE

Herausgegeben von Isabel Schulz

176 Seiten, 46 Abbildungen, 11 Farbtafeln und der Nachdruck eines von Kurt Schwitters typografisch gestalteten Programmheftes vom Schauspielhaus, Städtische Bühnen Hannover, Saison 1929/30, als Beilage.

13 Euro/ISBN 978-3-931266-16-5

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Falco, in Gars am Kamp

Der Fotograf Will Burgdorf (1905-1944)

Peter Brüchmann: Schauspielerinnenfotografien

Sonderausstellungen 19. Oktober 2018 bis 17. März 2019

 

 

Falco, in Gars am Kamp

„Heimat ist dort, wo mein Herz ist. Und mei Herz is da.“ FALCO

Österreich, im August 2018. Wir sind von Wien aus auf dem Weg ins Waldviertel zur Villa von Johann „Hans“ Hölzel, genannt FALCO, in Gars am Kamp.

Mit dem Zug geht es von Wien Richtung St. Pölten und von dort weiter nach Krems an der Donau. Hier steigen wir um in die Regionalbahn. Nur zwei Waggons gibt es, aber einen Schaffner, der uns unseren Fahrschein entwertet.

Etwa eine Stunde braucht der Zug, der seine Strecke aufnimmt über Rohrendorf, Gedersdorf, Langenlois, Zöbing, Schönberg am Kamp, Stiefern, Altenhof und Buchberg.

Zuerst begleitet Wein die Strecke, vereinzelte Maisfelder und von der Sonne ausgeblichene Wiesen und Felder. Je weiter wir kommen, wird das Kamptal spürbar. Eingleisig ist die Strecke, nur an den Bahnhöfen kann der Gegenverkehr passieren.

Das Tal wird enger und wir folgen teilweise ganz nah dem Lauf der Krems, an deren Ufern Ziegen grasen.

Nach gut einer Stunde haben wir unser Ziel erreicht. Wir sind die einzigen Gäste, die aussteigen. Ein kleines Bahnhofsgebäude aus dem vorletzten Jahrhundert.

Um in den Ort zu kommen, fragen wir nach dem Poldiwirt und werden gleich als Besucher der FALCO-Villa erkannt. Hier im Gasthof Höchtl ist auch Hans Hölzel oft Gast gewesen.

Nur wenige Schritte entfernt, entlang der zahlreichen großen Villen an der Hauptstraße, die um 1900 als Sommerfrische für die wohlhabenden Wiener gebaut worden sind, blicken wir auf das Haus, das von außen nichts von seinem berühmten Bewohner verrät.

 

FALCO (1957-1998) hat es in den 1980er Jahren ins Waldviertel verschlagen. Hier besuchen zu der Zeit vor allem viele Sportler und Künstler das Biotrainingszentrum des berühmten Willi Dungl.

Nachdem FALCO die Hotelkosten bald zu hoch sind und er nach exzessiven Trinkgelagen oft genug rausgeschmissen wird, sucht er für sich in Gars einen eigenen Platz. Sein Wunsch ist es, ein Haus zu finden, in dem er sich auch von seinem Starruhm um ihn zurückziehen kann. Und er möchte, dass seine 1986 geborene Tochter Katharina im Grünen aufwachsen kann.

1987 kauft sich FALCO die Adamsvilla in Gars am Kamp und lässt das Haus aufwendig renovieren, Wände einreißen und ein Tonstudio im Erdgeschoss einbauen. Die Jugendstilvilla hat einen 4.000 qm großen Garten mit direktem Zugang zum Fluss Kamp und einen Blick auf die Burgruine Gars. Zeitweilig lebt seine Mutter Maria Hölzel mit ihm oder allein im Haus. Für sie lässt er Zimmer im ersten Stock einrichten. FALCO selbst verbringt meist nur einige Monate im Jahr hier, ohne dass wirklich jemand weiß, dass er da ist.

 

Das Tor zur ockerfarbenen Villa mit der Hausnummer 214 ist nicht verschlossen. Es geht einige Stufen hinunter direkt zum Eingang.

Bevor wir hinein gehen, umrunden wir das Haus und blicken in einen großen Garten, der sich zum Fluss Kamp hin öffnet. Still ist es hier, die Häuser ringsum sind nur zu erahnen. Links eine kleine Gartenhütte, rechts zwei Garagen, in denen sein Mercedes immer noch stehen soll.

Wir gehen den Garten hinunter zum Fluss Kamp, der Weg ist gesäumt von Apfelbäumen, aus deren Früchten FALCOs Mutter dem Sohn einst Kompott gemacht hat. Links auf der Anhöhe ist die Burgruine Gars zu erkennen. Ein Schwan gleitet über das Wasser, auch Biber soll es hier noch geben.

Der Blick geht vom Garten zurück auf das Haus. Nichts rührt sich, kein Fenster ist geöffnet, kein Vorhang bewegt sich.

Die Villa ist für Fans und Besucher nicht öffentlich zugänglich. Das Haus ist heute noch so eingerichtet und hinterlassen, wie FALCO es verlassen hat.

Der Garten ist gepflegt, das Haus wird regelmäßig geputzt, die Regale abgestaubt. Noch immer stehen Kaffee, Zucker und Lebensmittel in der Küche. Das Haus wartet auf seinen Besitzer.

 

FALCO hat in Gars am Kamp nur wenig Besuch und auch der Kontakt zur Bevölkerung ist nicht eng. Seine Mutter sorgt dafür, dass es nicht so hoch hergeht. FALCO ist viel in seinem Tonstudio. Er joggt gern oder fährt mit seiner Vespa durch das Wein- und Waldviertel und isst bei der Graselwirtin in Mörtersdorf.

All das stellen wir uns jetzt an diesem Ort vor, nur 80 km von Wien entfernt. Und auch sein anderes Leben, wie wir es aus den Medien kennen.

 

Dann stehen wir wieder vor dem Eingang und die Tür zu seinem Haus öffnet sich und wir treten ein ...

 

Die Ausstellung gibt zum ersten Mal Einblick in eine ganz private Seite von FALCO. Dinge und Gegenstände, die ihn in Gars am Kamp umgeben haben, sind erstmals zu sehen.

Dazu präsentieren wir unveröffentlichte Aufnahmen des Wiener Fotografen Niko Havranek, der die Atmosphäre der Räume eingefangen hat und die Dinge der Ausstellung in ihrem Umfeld zeigt.

Auch einen kurzen Film mit Blick in das Haus gibt es zu sehen, ein Gespräch mit seinem besten Freund Ronald Seunig und ein Radio-Interview mit FALCO zu seinem 40. Geburtstag.

Und noch ein anderer besonderer Schatz ist in der Ausstellung zu sehen: FALCOs Besuch in Joachim Fuchsbergers Sendung „Heut’ Abend“ aus dem Jahr 1986.

 

Wir danken der FALCO Privatstiftung ganz herzlich für die freundliche Aufnahme und die großzügige Überlassung der Exponate. Sie hat uns die Idee zu unserer Ausstellung erst ermöglicht!

 

 

Der Fotograf Will Burgdorf (1905-1944)

Die Fotografien von WILL BURGDORF sind eine echte Entdeckung zu nennen - und sind jetzt zum ersten Mal ausgestellt.

Will Burgdorf gehört Ende der 1920er Jahre zum engen Kreis der damaligen hannoverschen Künstlerszene von Tänzern, Literaten, Malern und Galeristen. Vor seine Kamera holt er den Tänzer und Choreografen Harald Kreutzberg, den Tänzer und späteren Schauspieler Dieter Borsche, den Schriftsteller Joachim Ringelnatz, den Philosophen Theodor Lessing und Schauspieler des Hannoverschen Schauspielhauses.

Neben fotografischen Selbststudien oder Portraits seiner Frau fotografiert er in seinem Atelier auch zahlreiche Bürger der Stadt Hannover.

Seine Wohnung bzw. sein Fotogeschäft hat er zuerst in der Harnischstraße 6, später am Lister Platz 3 und in der Podbielskistraße 12.

 

Der Sammler Berthold Graf zu Dohna ist von der Entdeckung der Arbeiten von Will Burgdorf so begeistert, dass er vor einigen Jahren bei einer Auktion ein größeres Konvolut von Fotografien und Fotoalben Burgdorfs ersteigert.

Zusammen mit dem Hamburger Galeristen Jens Goethel und der Kunsthistorikerin Dr. Annette Baumann aus Hannover begibt er sich auf die Spuren des Fotografen, recherchiert seine Biografie und kauft weitere Arbeiten an.

 

Wir freuen uns sehr, erstmals das Werk dieses ungewöhnlichen Fotografen öffentlich zeigen zu können.

 

Die Recherchen sind noch nicht abgeschlossen. Und so bitten wir die Hannoveraner, in ihren Fotoalben für uns nach Fotos von Will Burgdorf zu schauen und uns zu kontaktieren. Eine spätere Veröffentlichung in unserer Schriftenreihe ist angedacht.

 

Peter Brüchmann: Schauspielerinnenfotografien

PETER BRÜCHMANN (1932-2016) hat sich vor allem zwischen den 1950er und 1980er Jahren einen Ruf als namhafter Portraitfotograf von Bühnen- und Filmstars geschaffen. Seine Arbeiten erscheinen im Stern, Constanze, Schöner wohnen und in der Bild am Sonntag.

Bekannt geworden sind vor allem seine Fotos des Besuchs der Beatles 1961 auf der Reeperbahn in Hamburg und die von Romy Schneider auf dem Münchner Filmball 1967 und 1968.

In unserer zweiten Kabinettausstellung sind seine Portraits von Karin Baal, Maria Schell, Romy Schneider, Sharon Tate, Hannelore Elsner, Senta Berger und Hildegard Knef, Veruschka und Fay Daneway zu sehen.

Wir freuen uns auf eine erneute Zusammenarbeit mit dem Hamburger Galeristen Siegfried Sander und der MULTIPLEN BOX.

 

 

Mit herzlichen Grüßen aus der Prinzenstraße

 

Dr. Carsten Niemann, Myriam Pechan, Jutta Rawer und

 

das Team der Ehrenamtlichen: Marianne Horzella, Christa Huber, Ingrid Karallus, Vera Knobloch, Rudolf Linder, Ingrid Parenica, Michael Rieke, Jens Schmidt und Hans Simmon